Abrahams Forellen bei Leichlingen: ein Slow Food Juwel im Nirgendwo.

Die Eingeborenen von Bremersheide und St. Heribert mögen mir das „Nirgendwo“ bitte verzeihen, aber hoffentlich dahingehend übereinstimmen, dass man den Betrieb von Michael Abraham, sofern man ihn nicht kennt, rein zufällig nur dann finden wird, wenn man sich auf einem Ausflug ins Bergische per Rad, Wanderschuh oder einer kleinen Landpartie mit dem Auto auf die lauschige Verbindung zwischen der Straße Grünscheid und der L294 verirren sollte.

Gewusst wie: die Anfahrt

Dabei ist der Weg gar nicht mal so weit: von Solingen Höhscheid sind es bspw. nur knapp 15 motorisierte Minuten bis man am Ziel und alsbald gefangen ist von Ruhe, Wald, Natur und, sofern der Wind günstig steht, die Nase eventuell einen ersten Vorgeschmack auf die Köstlichkeiten bekommt, die einen hier erwarten: dann nämlich, wenn die Abraham’schen Räucheröfen gerade ihr gutes Werk verrichten.

Die letzten knapp drei Minuten der Anfahrt, wenn man von Solingen aus den „Klingenring“, egal ob über den Odenthaler oder Balkhauser Weg, fährt und dann dort kurz vor Witzhelden in beiden Fällen rechts nach Leichlingen abbiegt, sieht man hier, eigentlich ist es kinderleicht zu finden.

Die Adresse Bremersheide 80, die der Betrieb offiziell hat, leitet selbst Google Maps in die Irre und man landet in der kleinen Ortschaft selbst, das Video ist daher mehr als Schnickschnack von meiner Seite:

Wir hatten uns verabredet an diesem Nachmittag, der Kontakt kam durch das Solinger Restaurant MAKU zustande, über das ich bereits mehrfach schrieb und Waren von Michael Abraham bezieht, seitdem die Köche Mathias Gaube und Christian Schreier sich von der Ausnahmequalität der hiesigen Frisch- und Räucherware überzeugen ließen – und damit steht das Restaurant in der regionalen Gastronomie mitnichten alleine da.

Letzterer sagte mir bereits, dass ich mir das mal anschauen solle, es würde mir gefallen und Michael sei ein sehr netter Mensch. Und als Meister Abraham kürzlich einen meiner Facebook-Beiträge mit sympathischen Worten kommentierte und mir mitteilte, dass er sich freuen würde, wenn wir uns mal persönlich kennenlernen, machte ich gerne kurzentschlossen und einen Termin mit ihm: die Aussicht auf Räucherfisch, lauwarm und frisch aus dem Ofen, war mehr als verlockend.

Der Chef half gerade betagten Kunden beim Verstauen der Einkäufe und stand an der Straße als wir die wenigen Schritte vom kleinen Wanderparkplatz in unmittelbarer Nähe zum Eingang seines umzäunten Fisch-Kleinods taten: „Hallo, schön dass ihr es gefunden habt, ich bin der Michael!“ hörten wir zur freundlichen Begrüßung.

Man merkte rückblickend von der ersten Sekunde an, wie wohl er sich hier in seinem zweiten Wohnzimmer fühlt, wie zufrieden und in sich ruhend  er dann wirkt, sein Tun hier mitten im Wald erfüllt ihn. Da ist es kein Wunder, dass auch die Familie des zweifachen Vaters voll hinter ihm steht, auch wenn seine Frau anfänglich dem Projekt „Fischzucht und –räucherei“ noch etwas argwöhnisch gegenüberstand.

Wie er zur Fischzucht und –räucherei fand

Dabei war es reiner Zufall, dass der gelernte Chemikant und hauptberuflich langjährige Schichtleiter bei Bayer hier vor 10 Jahren gelandet ist, ursprünglich war der naturverbundene, leidenschaftliche Angler, der schon in der Kindheit eine große Affinität zu Fischen besaß, „nur“ auf der Suche nach einem Stück Wald, das er jedoch nicht bewirtschaften sondern als Ur-Wald naturnah belassen und so auch etwas für den Naturschutz bewirken wollte.

Dass auf dem Gelände, für das er sich nach gut drei Jahren der Suche entschied, schon 40 Jahre Fischzucht betrieben wurde, war ihm anfänglich gar nicht bewusst: eine alte Dame hatte sich aus Altersgründen schweren Herzens dazu entschlossen, das Grundstück inklusive der Teichanlage, deren umzäunter Bereich übrigens nur 5% des erworbenen Landes darstellt, abzugeben.

Der Gedanke und die Perspektive, diese Tradition fortzuführen faszinierte und beflügelte ihn schon sehr bald: warum denn eigentlich nicht, das nötige Wissen hatte er und nicht zuletzt auch die Motivation; schnell war es ein Herzensprojekt, dessen Erfolg ihm immens viel zu geben scheint; und damit meine ich ganz sicher nicht die finanziellen Aspekte.

Eindrücke der Teichanlage

Michael führt uns über die gesamte Anlage, die sieben Teiche umfasst, zeigt uns das frisch sanierte Becken, in das das kristallklare Wasser aus einem nahen Bach geleitet wird. Das Trinkwasser, das er für seinen Betrieb braucht, kommt auch aus diesem Zulauf und wird über moderne Filtertechnik in der kleinen, gemütlichen, solide gebauten Blockbohlenhütte, die er als Mischung aus persönlicher „Datscha“ und Produktionsgebäude mit kleiner Küche und Kühlung errichtet hat, auf Trinkwasserqualität aufbereitet.

Wie durch ein Wunder schaffte ich agiler Vorzeige-Athlet es, nicht von den schmalen Wegen in einen der Teiche zu fallen, als wir uns diese aus der Nähe anschauten und die Forellen mit einem Nachmittags-Häppchen belohnt wurden:

Tatkräftig unterstützt wurde der Chef heute von dem Iren John Williamson, ein sehr netter, fitter älterer Herr der routiniert Fische ausnahm und Michael ein wenig den Rücken freihielt, in dem auch er die zahlreichen Kunden bediente, die während unseres mehr als zweieinhalbstündigen Aufenthaltes den Weg nach Bremersheide fanden.

John @work 😊

Stammkunden, aber auch neugierige Wanderer, gleich zweimal hörte ich an diesem Tag „Es roch so herrlich vorne an der Straße, wir wollten mal schauen was es hier gibt.“ und entzückt wie begeistert mit frischem Räucherfisch im Wanderrucksack weiterzogen – der Rauch scheint ein gutes Marketinginstrument für den Nahbereich zu sein, so viel steht fest.

Sehr schön, aber was gibt es hier im Angebot?

Forelle, Lachsforelle und Saibling züchtet man hier direkt in den Teichen, den Aal sowie die zu Weihnachten so wichtigen Karpfen kauft man zu, „Aal kann man nicht züchten“ erklärt er und die Karpfen stammen aus einer Zucht in Ostdeutschland.

Und die Karpfen laufen gut, 1,5 Tonnen davon brachte er zum letzten Weihnachtsfest an Mann und Frau, die großteils osteuropäische Karpfen-Kundschaft strömt dann so zahlreich, dass es trotz der organisatorischen Versuche den Andrang zu entzerren regelrecht zu einem Verkehrs- bzw. Parkplatz-Chaos kommt.

Wichtig ist ihm neben der hervorragenden, ständig kontrollierten Wasserqualität auch die Aufzucht, die Tiere haben genügend Platz und werden mit dem hochwertigen Premium-Futter von Aller Aqua gefüttert.

Dieses Futter ist übrigens 100% frei von Ethoxyquin, diese krebserregende Substanz sorgte in letzter Zeit für einige Schlagzeilen, weil sie in vielen in der Fischzucht verwendeten Futtermitteln enthalten ist.

Die Preise – Stand Mai 2023 – für den Räucherfisch sind angesichts der Qualität moderat zu nennen, das Kilo Forelle liegt bspw. bei 22,50€, die Lachsforelle 24,50€, Freunde des edlen Räucheraals müssen mit 53 Euro pro Kilo etwas tiefer in die Tasche greifen.

Stremellachsforelle mit Honig-Oregano Aroma

Freude macht ihm auch die Herstellung weiterer Spezialitäten, zum Beispiel Stremellachsforelle mit Honig-Oregano Aroma und für Veranstaltungen bereitet er u.a. auch kleine Canapés zu, Räucheraal auf Pumpernickel mit Preiselbeeren zum Beispiel, so einfach wie köstlich, womit wir beim Thema wären:

Aha, und schmeckt das auch?

Und dann war es endlich soweit, alle wichtigen Infos waren notiert oder besprochen, dutzende Fotos gemacht, gerade war eine Charge Forellen fertig zum Verkauf, ich konnte es kaum erwarten.

Michael ließ mich vorher noch an der herrlich riechenden Gewürz-Salz-Lake schnuppern, in die der Fisch 24 Stunden mariniert wird, bevor er in den Ofen (1,5 bis 2 Stunden beim Heiß- und 24 Stunden beim Kalträuchern) kommt, alleine das machte schon schwer Appetit, und dann auch noch diese betörenden Räucherdüfte, hungrig sollte man hier besser nicht erscheinen.

Zur verheißungsvoll goldgelb schimmernden Forelle gab es noch etwas Ciabatta und einen Dip seiner Frau, der so gut bei den Kunden ankommt, dass er öfter zum Einsatz kommt: ein fein mit Zitronenpfeffer abgeschmecktes Vergnügen für alle Knoblauch-Liebhaber und eine schöne Alternative zum naheliegenden Sahne-Meerrettich.

Es ist wichtig zu betonen, dass Michael Abraham beim Fisch selbst die Philosophie verfolgt, dem feinen Geschmack des Fischs mehr Raum zu geben, als man es sonst von Räucherfisch kennt.

Seine Ware hat ganz bewusst in etwa ein Drittel weniger Intensität und wo das eigene Geschmacksgedächtnis erwartet, außer Rauch und Gewürzen kaum noch etwas anderes zu vernehmen, überrascht der Fisch mit Klarheit und Eleganz, die saftigen, lauwarmen Bissen zergingen auf der Zunge und waren ein absoluter Hochgenuss.

Es war so ein herrlicher Moment, diese Ruhe dort, nur Vogelgezwitscher, Sonne, leichter Wind in den Bäumen und dann diesen köstlichen Fisch direkt neben den Öfen zu genießen, einfach göttlich.

Wenn man übrigens Fan von eher strengen Raucharomen ist, hängt man den Fisch auf Wunsch auch gerne nochmal eine Runde in den Ofen, man muss es bei Vorbestellung einfach nur erwähnen, Michael macht viel möglich für seine Kunden.

Er freute sich über meine ungespielte Begeisterung und ich glaube fast am meisten darüber, dass mir selbst der Aal gut schmeckte, den ich eigentlich überhaupt nicht mag, u.a. weil er so fett ist.

Daher mag ich ihn eigentlich nur als „Unagi“ als Sushi, weil er dann so gegrillt wird, dass das Fett dabei ausgelassen und der Fisch mit einer aromatischen Sauce glasiert wird.

Aber die erwähnten Canapés und die kleinen Probierhappen vom Aal stießen auch auf Gegenliebe, für ausgewiesene Aal-Fans ist aber das sicher nochmal ein ganz besonders genussvolles Hochamt.

Ehrensache, dass wir uns natürlich noch für das Abendessen eindeckten, wir nahmen eine Forelle und einen Saibling mit, letzterer war für mich bestimmt.

Natürlich ist es ein Unterschied, den Fisch lauwarm neben dem Räucherofen zu verspeisen, oder kalt.

Aber wer hat schon diese Möglichkeit? Räucherfisch wird immer kalt gegessen und auch am Abend – wir nahmen ihn rechtzeitig aus der Kühlung, auf dem Tisch hatte er Zimmertemperatur – wusste er zu begeistern, der Saibling sollte mir persönlich sogar noch einen Hauch besser schmecken, als die ohnehin schon extrem leckere Forelle.

Hierzu gab es Südtiroler-Spinat-Knödel mit Bergkäsefüllung, Nussbutter, eingelegten Ziegenfrischkäse und gutes Bauernbrot, das wir nach dem Besuch bei Michael in der wiedereröffneten Bauernscheune ganz in der Nähe kauften.

Dazu ein sehr guter grüner Veltliner, der schon seit dem Mittag in der Kühlung lag und bei dem ich den schönen Tag genussvoll Revue passieren ließ.

So bleibt mir noch Michael Abraham für seine Zeit zu danken, für die spannenden wie interessanten Eindrücke und die köstliche Jause im Grünen – wir sind neue Stammkunden und ich komme gerne wieder.

P.S.

Aus der Abteilung „was mich besonders freute“:

Als ich letzten Samstag hierzu etwas vorab auf Facebook postete, wurde der Solinger Koch und Gastronom Torsten Tückmantel (Restaurant Turnhalle, Solingen) sehr hellhörig und fuhr vorbildlich am nächsten Tag nach Leichlingen um sich überzeugen zu lassen.

Und es sollte ihm sehr gut gefallen, vor allem die angesprochene geschmackliche Eleganz ohne Rauch-Orgie auf dem Gaumen schätzte auch er auf Anhieb. Bezug von Frisch- und Räucherware für sein Restaurant scheint fest geplant wie ich ihn verstanden habe.

Es ist doch schön, wenn Social Media mehr bewirkt als bunte Bilder in die Welt zu pusten und das beste Beispiel dafür, was mich dazu motiviert solche Texte zu schreiben.

Kontakt / Adresse:

Abrahams Forellen
Bremersheide 80 (zwischen Bremersheide & St. Heribert)
42799 Leichlingen
Tel. / WhatsApp: 0171 – 804 58 03

Donnerstag 13-16 Uhr
Freitag 15-19 Uhr
Samstag 11-16 Uhr
Sonntag 11-16 Uhr

Schön war’s! Danke Michael!

0 Antworten auf „Abrahams Forellen bei Leichlingen: ein Slow Food Juwel im Nirgendwo.“

  1. Oh ja, es hat mir/uns sehr, sehr gut gefallen und geschmeckt und wir haben es nicht bereut, den Weg dorthin „gewagt“ zu haben. Und auch gerade der Aal – und du hast Recht, der kommt eigentlich immer viel zu fettig „rüber“ – war ein wirklicher Genuss. Ein völlig anderer Geschmack als man ihn gemeinhin geräuchert abgespeichert hat. Und wir haben dann auch noch ein Stück vom kaltgeräucherten Lachs ergattern können. Besser geht es schon fast gar nicht: mit einer etwas intensiveren Rauch- und Geschmacksnote – aber immer noch dermaßen ausgewogen, schon lange nichts besseres mehr gehabt. Und richtig, ganz bald haben gehen wir in die „Sommerpause“, aber dann wird in irgendeiner Form der Abrahams-Fisch bei uns Einzug halten. Danke dir auch hier auf diesem Wege für den Tipp!

    1. Hallo Torsten,

      absolut, ich meine klar, man will ja auch den Rauch sonst könnte man ja auch gedünsteten Fisch essen. Aber wenn der dann alles erschlägt und man gar nicht mehr weiß welchen Fisch man überhaupt verspeist, dann ist mir das zu viel, aber wie alles im Leben Geschmackssache. Ich schau diesen Sommer sicher auch noch mal rein, und dann eine Forelle Müllerin Art aus Leichlingen ganz klassisch mit Petersilienkartoffeln und Nussbutter bei Dir auf der Terrasse, dazu ein wenig frischer Kopfsalat, das klingt wie ein Plan.

      LG,
      Peter

  2. Lieber Peter,
    Sehr schöner Artikel !
    Den Michael hab‘ ich direkt von Beginn seiner Idee, wieder diese Fischzucht „ans laufen zu bringen“ unterstützen können.
    In meinem Leichlinger Facebook Forum wurde sein Hobby ziemlich schnell durch einige bebilderte Post bekannt. 😀
    Habe erst am vergangenen Freitag wieder 4 geräucherte Forellen beim ihm geholt.
    Beste Grüße, Gerd
    PS. Ich habe einige Jahrzente in Bremersheide gewohnt 😉

    1. Lieber Gerd,

      freut mich, dass er Dir gefällt und dass Du Michael von Beginn an so tatkräftig unterstützt hast. Ich kannte ihn bislang nicht und bin froh über diese Entdeckung, hätte ich doch bloß mal in Deine Facebook Gruppe geschaut. 😉

      Viele Grüße,
      Peter

  3. Lieber Peter
    Entschuldige meine völlig verspätete Wertschätzung Deines Artikels 🤗
    Ich war , vermutlich, so gerührt und stolz , dass ich das völlig vergessen habe 🫣
    Dein Bericht ging sowas von runter wie Öl , dass ich vermutlich nochmals 5cm gewachsen bin 😅
    Es ist ein unglaubliches schönes Gefühl etwas kulinarisch Besonderes zu erzeugen und andere Menschen damit zu erfreuen.
    Das bestätigt mich nochmals darin , alles richtig zu machen 💪🙏
    Das Treffen mit Dir und Deiner bezaubernden Lebensgefährtin wird mir und meiner Frau sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben 😍
    Nochmal ganz herzlichen Dank für Deine Zeit und auf bald !
    Dein Fischdealer aus Leichlingen🤗

    1. Sehr gerne, freut mich wenn es euch gefallen hat, aber das hattest du mir ja schon direkt auf anderem Wege gesagt. Ich schaue gerne die Tage noch mal vorbei. Liebe Grüße, Peter

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