Restaurant Fischerei in Essen Rüttenscheid: “So long, and thanks for all the fish.”

Auch wenn ich kein grenzenloser Douglas Adams Ultra-Fan bin, der jede Zeile von “Per Anhalter durch die Galaxis” im Schlaf zitieren könnte, so ging mir der Titel des vierten Bandes der ikonischen Romanreihe sofort ein, als ich mir Gedanken um die Überschrift dieses Berichtes zum kürzlich in Essen erlebten Fisch-Spektakel machte, das so in dieser Form in der Region sicher ein Alleinstellungsmerkmal für Fisch-affine Genussmenschen darstellt.

Zumindest jene, die in geselliger Runde nichts dagegen haben, im wahrsten Sinne des Wortes „selbst Hand anzulegen“, denn im Rahmen ihrer Reihe „Fish is on fire“ wartet das noch relativ junge, seit 2019 an der Rüttenscheider Straße erfolgreich ansässige, angesichts seines Namens „überraschender Weise“ auf Fisch spezialisierte Restaurant mit einem erfrischenden Angebot auf, das hochklassiges Seafood zur eigenhändigen Zubereitung auf dem Tischgrill offeriert.

Chef-Fischerin Julia Mair, die ihre Ausbildung übrigens weiland in Berthold Bühlers ruhmreichen Zwei-Sterne Elysium „Résidence“ genoss und so ganz nebenbei seit 2022 auch das Essener Restaurant „Gärtnerei“ (deren lesenswertes Portrait im Rahmen des Pre-Openings findet man bei Interesse hier im Blog vom geschätzten Ruhrgebiets-Gastro-Intimus Peter Krauskopf) betreibt, in dem sich – fast – alles um vegetarische und vegane Küche dreht, hat mit dieser Form der klar ausgerichteten Konzeptgastronomie scheinbar einen Nerv getroffen und der Erfolg gibt ihr Recht.

Warum das so ist, wollte ich gerne am eigenen Leib erleben und folgte so gerne der Einladung an einen der regelmäßig vom umtriebigen und wohlvernetzten Gastro-Fotografen Michael Alisch organisierten Presse-Tische. Diese zeigten sich bislang kulinarisch stets als lohnende Angelegenheit und auch die menschlichen Begegnungen waren in vielerlei Hinsicht meist von ausnehmend bereichernder Natur.

Vor Ort in Rüttenscheid

Die Anfahrt von Solingen über die A535 und A52 war von unerwartet entspannter Natur, in einer gänzlich staufreien halben Stunde stand ich am ebenso unerwartet ruhigen südlichen Ende der Rüttenscheiderstraße und fand direkt gegenüber von der Fischerei noch einen Parkplatz, um den ich mir als nicht ortskundiger Zeitgenosse nach einem kurzen Blick auf Google-Maps vorab noch zunächst erhebliche Sorgen machte.

Das Restaurant befindet sich in einem mehrstöckigen Wohngebäude und da das Tischgrill-Event nachvollziehbarer Weise nur auf der lauschigen Terrasse im Hinterhof angeboten wird gingen wir zunächst durch die Einfahrt neben dem Lokal direkt dorthin, wo uns Julia Mair nebst Service-Leiter Mirco bereits erwarteten und uns charmant wie freundlich begrüßten.

Was ich sehr an ihr schätze ist, typisch Ruhrgebiet im positivsten Sinne, dass sie bei aller Professionalität keine Hochglanz-Plastikhülle von sich präsentiert, sondern immer nahbar als Mensch wie Du und Ich, empathisch und offen für Fragen und Feedback.

Auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte – es blieb trocken aber recht kühl an diesem Tag – vermittelte der hübsch hergerichtete Außenbereich und unser eingedeckter Tisch doch einiges an sommerlichen Akzenten und man konnte sich gut vorstellen, hier an einem lauen Sommerabend genussvolle Stunden zu verbringen, auch wenn man in Sachen Aussicht vielleicht nicht gerade mit dem Schellenberg konkurrieren kann.

Bevor es losgehen sollte schaute ich mir gerne noch die Räumlichkeiten der Fischerei an und war sehr angetan, das stilvolle Ambiente atmet den Flair gehobener Bistronomie, dabei aber nicht im Ansatz steif oder unterkühlt.

Fangfrischer Fisch und entsprechende Tagesgerichte sind eine große hiesige Stärke. Die Stammkarte des Restaurants bietet indes einen smarten Mix aus Klassikern und vergleichsweise eher moderner Küche. So finden sich Bouillabaisse, Hamburger Pannfisch und das Schollenfilet Finkenwerder Art neben Optionen wie ein Steinbeißer in Panko an Thaicurry oder Garnelenkroketten mit Harissacrème während sich Freunde des Mittelmeeres bspw. über Pasta Pescatore freuen.

Und sollte man so gar nicht in Fischlaune sein gibt es immer auch eine „fleischliche Möglichkeit“, momentan wäre das Tafelspitz „Red&White“, rosa gebraten mit Süßkartoffel Pommes frites, Wildkräutersalat und Paprikavelouté – letztere übrigens hinreißend gut, die gab es an unserem Abend auch.

Als die beiden Kolleginnen von der WAZ erschienen war unsere kleine Runde komplett, die Grills wurden angeheizt und das Team ließ das Procedere der Mannschaftsfotos gerne über sich ergehen, während das dabei präsentierte Grillgut bei mir erhebliche kulinarische Vorfreude weckte.

Die maritimen Grillfestspiele begannen

Frisch und bereits dem Anschein nach von bester Qualität präsentierten sich vorgegarter bretonischer Hummer, Jakobsmuscheln, Thunfisch, Dorade, Kabeljau, das eher seltene Petermännchen, Gambas, Pulpo und echter Kaisergranat. Die Ware bezieht man direkt ohne Zwischenhandel von Pronk aus Scheveningen.

Da ich mit Julia Mair vor dem Essen noch über Bouillabaisse fachsimpelte, nahm sie das zum Anlass uns außerplanmäßig noch eine kleine Probierportion der Fischerei-Version als kleines Amuse servieren zu lassen, mit geröstetem Brot und einer wahnsinnig guten Rouille.

Gefiel mir sehr, es war eine eher leichte, tomatisierte sommerliche Interpretation, dazu die üblichen Noten von Pastis und Safran, der Hauch eines Sommerabends in Marseille wehte über den Rüttenscheider Tisch.

Nach diesem verheißungsvollen Start machte sich Küchenchef Marco Helmer ans Werk, der dankenswerter Weise heute das Grillen für die Runde übernahm, um uns genügend Zeit für Fragen, Gespräche und natürlich ansprechende Fotos nebst Videos zu lassen.

Mit routinierter Ruhe wurde perfekt gegart, am Tisch kam die Frage auf, ob man den Gästen da angesichts der hochwertigen Produkte handwerklich nicht zu viel zutraue, schließlich kostet ein Grillabend in der von uns erlebten „Deluxe Version“ mit Hummer für zwei Personen immerhin 110 Euro, inklusive aller hier gleich zu sehenden, reichhaltigen Beilagen natürlich.

Aber ich denke, dass die Zielgruppe für einen solchen Abend sich durchaus vorher bewusst ist, auf was man sich einlässt und nicht gedankenlos Fisch völlig totbrät und Scampi in Asche verwandelt.

Und ein Hinweis darauf, dass man sich an die Garpunkte anfänglich besser etwas herantasten sollte und ggf. noch lieber eine halbe Minute nachgart, wird sicher auch erfolgen, auch wenn es logisch und selbstverständlich ist.

Zu den Hauptdarstellern vom Grill fuhr man noch eine ganze Batterie von Beilagen auf, die nicht ganz unwesentlich zum Genusserlebnis beitrugen.

Im Ofen konfierte Kirschtomaten mit allerfeinstem, sündig-cremigen Büffelmozzarella und Basilikum zum Beispiel:

Skin-On-Fries, hübsch im Kupferbecher serviert, begleitet von hausgemachter Limettenmayonnaise:

Ein hervorragend abgeschmeckter Wasabi-Gurkensalat, der mich gleich in zweierlei Hinsicht überraschte: ich mag weder Wasabi noch Gurkensalat wirklich gerne aber das gefiel sogar mir.

Wenn ich auch gestehen muss, dass mir aufgrund dieser persönlichen Angelegenheit der saisonale Spargel-Rhabarber-Salat mit seinem betörenden Süße-Säure-Spiel besser schmeckte:

Ein aromatischer Wildkräutersalat rundete den Beilage-Reigen dann stimmig ab, frisches Brot ist auch zu bekommen.

Besonders erwähnenswert allerdings die drei Dips: eine hervorragende, klassische grüne Chimichurri, eine Tomatensalsa und eine warme Paprika-Velouté, die für mich, obschon nur ein Detail im großen Aufgebot, in diesem ein besonderes Highlight darstellte.

Ich finde ja, es sind oft solche Details, die im Kleinen Zeugnis von Können und Handwerk einer Küche ablegen, diese Velouté war überragend köstlich.

Und so nahmen die Dinge ihren Lauf, es machte viel Vergnügen die meisterlich gegarten Fische und Meeresfrüchte zunächst solo zu probieren und den Eigengeschmack zu genießen, aber auch zu kombinieren.

Den Hummer – man löste ihn gerne in der Küche aus – mit der Limettenmayonnaise zum Beispiel, oder einer Garnele mit etwas Chimichurri nach Argentinien zu verhelfen oder dem Kabeljau mit Tomatensalsa etwas Mittelmeer einzuhauchen etc. etc. etc.

Zwischendurch von den Salaten und ein paar Pommes Frites zu naschen und ein gelegentlicher, gut gekühlter Schluck vom Hauswein in der eigenen Edition, einem Grauburgunder aus Rheinhessen aus dem Hause Weinreich, half nicht unwesentlich bei der Bewältigung der in Sachen Menge durchaus anspruchsvollen Aufgabe.

Aber dabei wollte man es nicht belassen, schließlich ist die Dessert-Sektion hier ja auch mit „Da geht noch was“ übertitelt.

Ein Yorkshire Pudding gefüllt mit Kokoscreme, begleitet von Mango, Rhabarber und Vanille-Eis wusste durch die Kombination von Süße und Fruchtsäure, Schwere und Leichtigkeit zu gefallen:

Nicht nur optisch nett anzuschauen dann ein Mille Feuille mit Mascarpone und Erdbeere das sich als sommerliches Dessert hervorragend mit der nicht zu brachial sättigenden, feinen Fischküche des Hauses verstand, sicher auch abseits des Tisch-Grill-Angebotes mit Blick auf die restliche Karte.

„Brachial gesättigt“ war der Schreiber dieser Zeilen an diesem Punkt dennoch, ansonsten wäre für mich als großer Käsefreund natürlich das ebenfalls verfügbare „Dreierlei vom Käse“ mit Chutney und Trauben absolutes Pflichtprogramm gewesen.

Nach dem Essen ließ man es sich nicht nehmen, uns denkbar stilvoll Mokka zu servieren, der noch von einer besonderen kleinen Preziose begleitet wurde: hausgemachte Schokolade mit Nüssen und einigem mehr, absolut köstlich und ich verweise nochmals gerne auf meinen Statement zu „Details“ weiter oben: die Küche hat bemerkenswerte Stärken.

Fazit

Ich halte dieses Angebot für attraktiv und erfrischend. Statt klassische Tellergerichte vorgesetzt zu bekommen, kann man hier zu zweit oder viert einen genussreichen, „interaktiven“, kommunikativen und kurzweiligen Abend verleben.

Man grillt ein wenig, genießt die Qualität des Grillgutes und der köstlichen Beilagen, wird hervorragend bedient, hatte eine gute Zeit und anders als beim Raclette oder Grillabend daheim übernimmt das Abräumen und Saubermachen hernach jemand anders.

Wer ein Faible für gutes Seafood hat und wen die Idee des „Grill-Picknick Deluxe im Restaurant“ anspricht, wird hier sicher nicht enttäuscht werden, dafür werden Julia Mair und ihr motiviertes Team schon sorgen, so mein Eindruck, den ich vor Ort gewann.

Und so bleibt mir mich für den schönen Abend zu bedanken, bei der Fischerei, bei Michael Alisch für die Organisation und nicht zuletzt auch bei Bernd Kochem, die Gespräche mit dem ebenfalls anwesenden, extrem erfahrenen und erfolgreichen Gastronomie-Consultant haben mir besonders viel Freude bereitet, vielleicht sehen wir uns noch in Solingen, denn auch hier ist er beratend unterwegs.

Rüttenscheid scheint gastronomisch lohnend, denn kurz darauf war ich dort wieder im Einsatz, nach der Fischerei folgte das nicht minder genussreiche Kontrastprogramm in der „Alten Metzgerei“, was ich dort erlebte, erfährt man in Kürze in meinem nächsten Bericht.


Restaurant Fischerei
Rüttenscheider Str. 268
45131 Essen
https://fischerei.restaurant/

0 Antworten auf „Restaurant Fischerei in Essen Rüttenscheid: “So long, and thanks for all the fish.”“

  1. Essen macht ohnehin schon Spaß, aber so natürlich noch mehr! Auch wenn ich wahrscheinlich etwas nervös gewesen wäre aus lauter Respekt vor den kostbaren Rohmaterialien, aber dafür bin ich ja verheiratet… Ein wie von Dir gewohnt schöner Bericht, der mich dazu veranlassen wird, das Thema Tischgrill (oder besser Tischheizplatte) daheim noch mal aufzugreifen.

    1. Danke lieber Felix! Ich denke den Respekt als Herausforderung zu sehen ist auch Teil des Spaßes, wer selbst ein Spiegelei verbrennen lässt, für den ist es vielleicht nicht ganz das Richtige aber für Euch beide bspw. wäre das ganz sicher ein Fest.

  2. Ich sehe schon – der Tischgrill – wird einen Abend auf der Terrasse verbringen. Gute Idee – benötige nur noch gute Fischzutaten

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