Als ich gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, eine von hochklassiger örtlicher Gastronomie begleitete Wohltätigkeits-Veranstaltung des gemeinnützigen Essener Vereins Förderturm e.V. im Schlosshotel Hugenpoet von kulinarischer Warte aus zu würdigen, falls es mir denn gefallen würde, ließ ich mich nicht lange bitten.
Denn der Reigen der teilnehmenden örtlichen Restaurants und Protagonisten, die jeweils einen Gang verantworten würden, verhieß nur das Beste und auch die kulinarische Schirmherrschaft der Essener Zwei-Sterne Legende Berthold Bühler, der ebenfalls in der Küche beitragen würde, tat ihr Übriges in Sachen vorfreudiger Erwartung.
Und schon die letzten Kilometer der Anfahrt stimmten wohltuend ein, was diesen in vielerlei Hinsicht genussreichen Abend angehen sollte, die ländliche Ruhe wirkte entschleunigend und die Szenerie vor Ort verzauberte von der ersten Sekunde an.



Das Schlosshotel: ein Kleinod sondergleichen
Das Schloss Hugenpoet ist ein historisches Wasserschloss im Stadtteil Kettwig und ein beeindruckendes Beispiel für die Architektur der Neo-Renaissance und des Barock und ist von einem weitläufigen Park und Wassergräben umgeben, die seine Schönheit und Eleganz betonen.
Im Laufe der Jahre wurde das Schloss Hugenpoet mehrfach renoviert und umgebaut und die Geschichte der Hotellerie und Gastronomie im renommierten Fünf-Sterne-Superior Haus ist lang und von klangvollen Namen gespickt.
Schon seit Jahrzehnten ist das Hotel das lokale Flaggschiff im Luxus-Segment, das man sich in etwa wie ein Grand Hotel alter Schule im Kleinformat vorstellen kann, es sollte mein erster Besuch werden, was ich rückblickend sehr bedauere, da ich einige wichtige Passagen in gastronomischer Hinsicht verpasst habe.


Denn 1997 bis 2021 kochte Erika Bergheim im Schloss Hugenpoet. 2003 wurde sie Küchenchefin im Restaurant Nero, das ab 2009 mit einem Michelinstern ausgezeichnet wurde. 2016 eröffnete das Restaurant Laurushaus, das ab 2018 fortan ebenfalls einen Michelinstern trug.
Durch seinen historischen Charme und die wunderschöne Umgebung ist es naturgemäß auch ein beliebter Ort für Veranstaltungen wie Hochzeiten, Tagungen und kulturelle Ereignisse. Schon das Ensemble auf dem Gelände ist malerisch und stimmungsvoll, einmal eingetreten ist man jedoch alsbald gefangen vom stilvollen Charme dieses Hauses.

Die Empfangshalle mit ihrem freistehenden Portal und das sich ihm anschließende, barocke Treppenhaus aus schwarzem Marmor und der Rezeption empfangen den anspruchsvollen Gast mit einem britisch konnotierten Hauch von antiken Agatha Christie / Mord im Orientexpress Akzenten, um in bewährten Klischees zu denken. Eine ganz eigene, wohltuend positiv aus der Zeit gefallene Noblesse und damit genau das, was die anspruchsvolle, stilbewusste Klientel hier sucht und findet.



Vor einigen Jahren war ich in Liverpool aufgrund eines ausgefallenen Fluges für eine Nacht in einem der einstmals führenden Grand Hotels der goldenen Zeiten der Stadt untergebracht. Der Glanz war zwar schon deutlich verblasst aber man ahnte auch dort diese unvergleichliche Atmosphäre dieser altehrwürdigen Grand Hotels und man konnte nur ahnen, wie viele rauschende Ballnächte es in den prunkvollen Sälen schon gegeben haben mag.
„Verblasst“ ist im penibel gepflegten, edelst und modern ausgestatteten Hugenpoet mit seinen 36 individuell eingerichteten Zimmern und Suiten natürlich nichts und Renovierungsstau gibt es auch keinen. „Blass“ wird man höchstens spätestens dann selbst vor Ehrfurcht, wenn man die imposanten Renaissancekamine mit Sandsteinreliefs aus dem 16. Jahrhundert entdeckt hat, von denen einer das Kaminzimmer schmücken sollte, das als Bühne für den Abend diente und uns prunkvoll eingedeckt empfing: in jeder Hinsicht eine Wonne für Freunde von schwerem Tafelsilber und klassischer, zeitlos-edler Tischkultur.




Auch der gediegene Gastraum des „Restaurant 1831“, empfahl sich in Sachen Ambiente sehr für einen genussreichen Abend. Hier möchte man unter der Leitung von Küchenchef Dominik Schab „kulinarische Traditionen bewahren und gleichzeitig mit Neuem überraschen, Fine Dining neu denken, ungezwungen und ungewöhnlich darbieten“, verrät die Homepage.


Es ist momentan neben der Hotelbar „BARonie“ das Fundament der Gastronomie im Schloss, während die Betriebsteile „HUGENpöttchen in der Remise“ und das „LAURUShaus in der Zehntscheune“ laut Website momentan noch geschlossen sind.

Kurzum: einen würdigeren Rahmen für eine Wohltätigkeits-Veranstaltung eines lokalpatriotischen Essener Vereines hätte es kaum geben können, das stilvolle Setting hatte Klasse und ist zudem tief verwurzelt in der Geschichte der Stadt.
Aber was ist dieser Verein überhaupt, was sind seine Ziele und Hintergründe?
Er bietet eine Vielzahl von Aktivitäten und Programmen, wie z.B. Bildungsunterstützung, Freizeitaktivitäten, kulturelle Veranstaltungen und Sportangebote, wobei die individuelle Hausaufgabenbetreuung im Förderturmhaus auf dem Gelände der Zeche Carl, das der Verein 2008 öffnete, sicher den Kern der Aktivitäten darstellt.
Bis zu 30 Kinder aus umliegenden Grundschulen werden hier von fachlich qualifizierten Damen und Herren betreut: In enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und einem im Haus ansässigen Stadtteilkoordinator wird darüber hinaus Elternarbeit geleistet, kündet die liebevoll gepflegte Website der in jeder erdenklichen Hinsicht unterstützenswerten Initiative.
„Förderturm e.V. – Ideen für Essener Kinder“ ist ein 2001 gegründeter, gemeinnütziger Verein, der sich für die Unterstützung und Förderung von Kindern und Jugendlichen einsetzt. Er hat das Ziel, die Bildung, soziale Integration und persönliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern, insbesondere von denen, die aus benachteiligten sozialen, wirtschaftlichen oder kulturellen Hintergründen kommen.
Aber kaum eine Wohltätigkeit kommt ohne finanzielle Zuwendungen auf, und so erdachte man in Zusammenarbeit mit dem Kommunikations-Experten Emrich Welsing von Welsing Communication die kulinarische Veranstaltungsreihe „maxiMahl hoch 5 – Förderturms Fine-Dining – Culinary art for charity“, in der sich das Angenehme mit dem Nützlichen für alle Beteiligten auf das Beste vereinen sollen.
Und was sich aus der Essener Gastronomie zu diesem ehrenwerten Ansinnen bitten ließ, konnte sich mehr als sehen lassen. Zur Premiere verantworteten (und werden dies auch an den noch folgenden Abenden der Reihe), zusammen mit Teilen der jeweiligen Brigaden, jeweils einen Gang:
Dominik Schab – Küchenchef im Schloßhotel Hugenpoet.
Marc Wimper – Küchenchef im Jagdhaus Schellenberg
Matthäus Brol – Küchenchef im Chefs & Butchers
Sven Zacharias – Küchenchef in der Gärtnerei
Berthold Bühler – Ehemaliger Patron der Résidence (**)
Begleitet von Service-Teams der Restaurants versprach dieses Line-Up schon im Vorfeld gehobenen Genuss auf hohem Niveau in jeder Beziehung. Das Chefs & Butchers und das Jagdhaus Schellenberg durfte ich bereits vor Ort erleben und auch Herrn Bühler hatte ich in diesem Zusammenhang bereits persönlich kennenlernen und seinen faszinierenden Ausführungen zu den Jahrzehnten seines passionierten Schaffens lauschen dürfen.
Leider war Julia Zweig, treibende Kraft hinter den noch jungen Essener Restaurants „Gärtnerei“ und „Fischerei“, an diesem Abend verhindert, ein Wiedersehen mit der sympathischen Vollblut-Gastronomin hätte mich gefreut, ich hatte sie, wie auch Herrn Bühler, anlässlich der Präsentation von „Essen geht aus 2023“ des Überblick Verlages im Schellenberg erstmalig gesprochen, sie wurde aber charmant-sympathisch von ihrer Service-Leiterin Lena Kipper vertreten.
Im Menüpreis von 249€ waren bereits 100€ Spende inkludiert, die anwesenden ca. 40 Gäste hatten aber noch auf reichlich sympathische Art und Weise genügend Gelegenheit, diese Summe erheblich aufzustocken.
Denn die Kinder des Vereines hatten fleißig zu ihren Malstiften gegriffen und die Gänge des Menüs anhand ihrer Beschreibungen in der Karte fantasievoll in Bildern verewigt. Diese dienten dann in den Menükarten jeweils als farbenfrohe Illustration der Gerichte, während die jeweiligen Originale zwischen den Gängen meistbietend versteigert wurden.
Diese Aufgabe wurde souverän von Chefs & Butchers Kopf Michael Scheil übernommen, der, nach wie vor alles andere als auf den Mund gefallen, mit viel Humor und der passenden Tonalität dafür sorgte, dass die kleinen Kunstwerke angemessene Spenden in die Kasse des Vereines erbringen würden.


Um die Spendenbereitschaft etwas anzukurbeln, legten er und seine Kollegen jeweils noch Gutscheine für ausladende Gourmet-Abende in ihren Restaurants bei, deren Gegenwert den Bereich der Dreistelligkeit teilweise spielend hinter sich ließ, was gut ankam und mit entsprechenden Geboten honoriert wurde.
Ich empfand das als äußerst charmante, unverkrampfte, und mit Blick auf das Wirken des Vereins auch sehr persönliche Idee, völlig abseits von „Tu Gutes und sprich drüber“-Charity im großen Rahmen.
Und überhaupt hatte der Abend in dieser Hinsicht fast schon einen familiären Charakter, Michael Scheil als engagiertes Essener Gastronomie Urgestein kannte viele der Anwesenden persönlich aus seinem Restaurant, das Parkett lag ihm sehr und als Auktionator hätte er wohl beste Chancen, wenn er mal berufliche Abwechslung suchen sollte.
Nicht nur in Sachen Kommunikation an diesem Abend ebenfalls sehr überzeugend: Emrich Welsing, der das Event redegewandt und locker moderierte, mit seiner Welsing Communication aber auch für die reibungslose, professionelle Organisation verantwortlich zeichnete. Schon im Vorfeld überzeugte seine ästhetisch wie inhaltlich hochklassige Pre-Kommunikation auf diversen Kanälen, ein PR-Fachmann wie aus dem Bilderbuch und ein idealer Partner für den Verein wie ich meine.
Da passte es auch ins Bild, dass für eine angemessene Dokumentation des Abends gesorgt wurde, professionelle Kamera- (Video und Foto) und Tontechnik erleichterten dies und natürlich galt es kurz vor dem Start noch ein Foto aller Beteiligten vor der pittoresken Kulisse des Schlosses zu machen, ein schöner Moment und eine ebensolche Erinnerung:

Das Menü
Dies als notwendige Hintergrundinformationen zu einem sechsgängigen Menü, das gegen 19 Uhr mit einem ungezwungenen Champagner-Empfang in dem zur Gartenseite ausgerichteten Raum neben dem Kaminzimmer startete.
Charmant wurde er angeboten, der bewährte „Nicolas Feuillatte Réserve Exclusive Brut, Champagne AC“, feine Perlage traf auf intensive Aromen von Birnen, grünem Apfel und Aprikosen, wobei ich persönlich kräftigere, hefige Brioche-Töne etwas vermisste, ein eleganter Champagner auf der fruchtigen Seite des Seins, der ideal temperiert bestens angenommen wurde.


Entspannt und gut eingestimmt sollte nach launigen Begrüßungsworten die reguläre Menüfolge starten, wir nahmen gerne Platz und genossen die wie erwähnt herrliche Tischkultur aus dieser Perspektive nochmals intensiver.
Vor dem Gruß aus der Küche wurde noch eine ansprechende kleine Brotauswahl mit einer äußerst gelungenen Senf-Grünkohl-Butter serviert – und da ich frittierten Grünkohl nicht nur als kleinen Textur-Spender schätze, sondern auch geschmacklich, war die daraus resultierende kleine „Stulle“ ein mehr als willkommener Appetitmacher.


| Amuse |
Schloßhotel Hugenpoet / Dominic Schab:
„Finger Food Trilogie“
Saltèr Prosecco Superiore Extra Brut, Spumante DOCG, , Weingut Ruggeri, Valdobbiadene, Treviso, Italien
Den Auftakt machte Dominik Schab mit seinem Team, drei kleine Häppchen, die durchaus Großes erahnen ließen, auch was die Küche des „Restaurant 1831“ angeht.


Von hauchzartem Teig ummantelt grüßte, auf dem Foto mittig mit „Birne │ Bohne │ Speck“ Norddeutschland im Fine Dining Amuse Bouche Format, geschmacklich und in Sachen Texturen-Komposition genauso beglückend wie das sensorisch durchaus komplexe „Kürbis │ Macadamia │ Dill“ Häppchen am Rande des Tellers, das mich dank seiner Rote Bete Garnitur auf den ersten Blick zunächst einen kurzen Moment rätseln ließ, welche der drei Amuse-Preziosen hier vor mir stand.
Sehr fein, für mich der hauchzarte Gewinner in diesem Trio war allerdings der kleine, separat dargebotene und nicht minder hübsch anzuschauende Blick nach Portugal mit „Stockfisch │ Fenchel │ schwarzer Knoblauch“.

Die kann man sich in etwa vorstellen wie eine kleine, warme Gourmet-Version von Pataniscas de Bacalhau fresco, portugiesischen Stockfischfrikadellen, die man in der Regel kalt isst.
Perfekte Kombination der beteiligten Aromen, der leicht nussig-erdige fermentierte Knoblauch passte in diesem Kontext perfekt, der Fenchel brachte etwas Frische, köstlich.
Dazu hätte ein guter Vinho Verde sicher mindestens so gut gepasst wie der begleitende, solide Prosecco aus dem Veneto, aber schließlich gab es ja Dreierlei im Pairing zu berücksichtigen.
Starker Auftakt: kreativ und handwerklich perfekt, Auge und Gaumen hatten beiderseits Grund zur Freude.
| Vorspeise |
Restaurant Gärtnerei / Sven Zacharias
Kartoffel │ Steinpilz Knusper │ Fourme d´Ambert │ Frisée │ Wiesenchampignons │ Trüffelvinaigrette
Nussdorf – Viognier, Weingut Emil Bauer, Landau-Nußdorf, Pfalz

Die Gärtnerei als vegetarisches Restaurant ist meines Wissens der jüngste der teilnehmenden Betriebe und auch Sven Zacharias bewies viel Sinn für Ästhetik in Sachen Tellersprache, jedoch auch für die Orchestration von Aromen.

Ein saisonaler Gang, der mit den erdigen Noten eines Riegels aus einer nicht zu festen Kartoffelmasse und des nicht zu dominanten Blauschimmels des kompakten Fourme d´Ambert-Schaums, kombiniert mit den frühlingshaften Noten des Frisée, eines grünen Kräuteröls und hocharomatischen, hauchdünnen rohen Wiesenchampignons anmutete, wie ein letztes Adieu an die dunkle Jahreszeit, die von den Vorboten des Frühlings langsam abgelöst wird.
Alles wohlig aber mitnichten penetrant umschmeichelt von den eleganten Trüffelnoten der meisterlich abgeschmeckten Vinaigrette, während Steinpilz-Chips nicht nur texturell bereicherten.
Dazu gab es mit dem Viognier eine Französische Rebsorte im Pfälzer Stil von dortigem kalkigen Lehm, ausgebaut im Holzfass. Komplex und facettenreich in der Nase mit Aprikose, Mango und Pfirsich. Dazu auf dem Gaumen Orange und florale Noten, weich und cremig durch das Barrique, erfrischende Säure, abermals ein gutes Pairing, das neben dem Trüffel nicht unterging.
| Fischgang |
Schirmherr Berthold Bühler / ehem. Patron Résidence Kettwig (**)
Felsen-Rotbarbe │ Pulpo-Bolognese │ Grüne Misocreme
2022 Bäder „Blanc de Noirs“ QbA, Cuvée Spätburgunder & Frühburgunder, Weingut Bäder, Wendelsheim, Rheinhessen

Ich hoffe, Sie kennen Herrn Bühler?
Geneigten Genussmenschen in der Region den Namen Berthold Bühler nahezubringen, heißt wohl in den meisten Fällen, die sprichwörtlichen Eulen nach Athen zu tragen. Den Träger der offiziellen Ehrenbürgerschaft des Ruhrgebietes darf man ruhigen Gewissens als überregionale Kochlegende bezeichnen, deren Werdegang und Lebensleistung nachhaltig beeindruckt, daher an dieser Stelle dennoch gerne einige pflichtschuldige Worte zu seiner Person, denn hier lesen schließlich nicht nur Menschen mit langjährigen Kenntnissen der NRW-Sternewelt.
Mit einem damals blutjungen Team trat er 1983, nach soliden Stationen (u.a. Souschef bei Günter Scherrer, Restaurant San Francisco im Hilton Düsseldorf) mutig in seinem eigenen Restaurant Résidence in Essen-Kettwig an, um Spitzengastronomie zu bieten, die anspruchsvolle kreative Küche mit Gastgebertum auf Augenhöhe vereinen sollte.
Und der Erfolg blieb nicht aus, schon 1984 kam der erste Stern, 1989 folgte der zweite, den er über 30 Jahre lang verteidigen konnte, bis er sich 2017, zu seinem 65. Geburtstag, in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete und die Résidence die Türen schloss, die stets als eine der absoluten kulinarischen Top-Adressen des Landes galt.
Bühler kochte mit seinem Team für Staatsoberhäupter, die Queen und diverse Bundespräsidenten, versteht sich auch heute noch als Mentor und Förderer junger Talente und kann natürlich, nach all den Jahren, nicht ganz ohne seine Rolle als leidenschaftlicher Koch und Gastgeber leben.
In seinem Privathaus, so berichtete er auch an diesem Abend, betreibt er im Untergeschoss eine Miniaturausgabe seines Restaurants, hier werden für maximal 16 Personen nochmal die großen Zeiten der Résidence erlebbar, diese exklusiven Dinner-Abende für geschlossene Gesellschaften sind mit Sicherheit unvergessliche Erlebnisse, um die ich jeden bisherigen oder zukünftigen Teilnehmer tüchtig beneide.
Er ist entspannt und gut aufgelegt, als wir vor dem Essen etwas plauderten, wir hatten uns letztmalig bei der gelungenen Präsentation von „Düsseldorf geht aus 2023“ an der Metro gesprochen und ich freute mich auf das Wiedersehen mit dem leidenschaftlichen, nimmermüden Überzeugungstäter der großen alten Schule.
Auch in der Küche wirkt er konzentriert und in sich ruhend an diesem Abend, jeder Handgriff sitzt, seine Ruhe und Souveränität scheinen ansteckend, die bunt zusammengewürfelte Brigade arbeitet wie ein wohljustiertes Uhrwerk als es daran ging seinen Gang auf die Teller zu bringen, es war eine Freude dies zu erleben.

Michael Scheil brachte es später auf den Punkt: „Mit Berthold Bühler in der Küche, da wussten wir schnell, wo unser Platz ist.“ resümierte er bei den Abschlussreden augenzwinkernd das Thema „Hierarchie am Herd“ an diesem Abend.
Meine kulinarische Bühler-Premiere
Da ich noch nie in den Genuss eine seiner Kreationen kam, war die Vorfreude auf den Fischgang umso größer und das Gericht sollte mich regelrecht begeistern.

Es ist verblüffend, wie spielerisch-tänzelnd diese alten Meister gekonnt Ästhetik mit stimmig orchestrierten Aromen-Welten verbinden, in denen selbst in vermeintlich einfachen Komponenten offenbar wird, wie viel Wissen und über Jahrzehnte perfektioniertes Handwerk sie dazu befähigt, Großes zu schaffen.
Großes, ohne dabei die Ehrfurcht, die Achtung und das Bewusstsein für die Schönheit der Natur und des Produktes zu verlieren, dieses auf den Thron zu heben in Rezeptur und Anrichtung, ohne dabei in irgendeiner Form puristisch zu langweilen.
Seine Felsenrotbarbe war dafür ein gutes Beispiel für sein Credo, diese samtige Harmonie auf dem Teller, die Idee für die Pulpo-Bolognese zur Rotbarbe kam u.a. dadurch zustande, dass Pulpo durchaus auf dem Speiseplan der Rotbarbe steht – und was in der Natur als Symbiose funktioniert, könne ja kulinarisch auch nicht so verkehrt sein; recht sollte er behalten.
Auch die luftige Miso-Creme – grün durch vom Meister eigenhändig gesammelten Bärlauch – als dezenter Fusion-Akzent fügte sich klaglos und bereichernd in ein in jeder Hinsicht stimmiges, geradezu hinreißendes Arrangement.
Inspirierte Poduktküche wie ich sie liebe: nicht überverarbeitet, keine unnötige Effekthascherei in Rezeptur und Anrichtung, sondern einfach die Gleichung „Beste Ware + Leidenschaft am Herd = Hochgenuss“.
Der begleitende Blanc de Noirs vom Spätburgunder begleitete angemessen mit Noten von Hagebutte und Orangen, gepaart mit Struktur, Cremigkeit und Frische – die Weinauswahl an diesem Abend wusste durchweg zu überzeugen.
| Fleischgang |
Chefs & Butchers / Matthäus Brol:
Ossobuco Raviolo │ Parmesan-Safranschaum │ Gremolata
2020 Tenuta Perano Chianti Classico DOCG, Azienda Agricola Frescobaldi, Gaiole, Toskana

Diesen Gang des hochgeschätzten Chefs & Butchers mit Küchenchef Matthäus Brol, kannte ich bereits aus dem letzten Jahr im Rahmen des hervorragenden Menüs beim Gastkoch-Event mit dem Wahl-Tiroler Tomek Kinder (Ansitz zum Steinbock, Villanders).
Hierbei zeigte sich daher für mich klar, was Spitzengastronomie unter anderem ausmacht: nicht nur reproduzierbar auf hohem Niveau abzuliefern, sondern sich auch ständig im Detail verbessern zu wollen.

Der Teig mit noch etwas mehr Schmelz und Feinheit, die Safran-Parmesan-Espuma war „molliger“ auf dem Gaumen, der zitrische Gremolata-Staub wirkte erfrischender als beim ersten Mal.
Zur himmlischen Füllung schrieb ich im letzten Jahr „Im Inneren dann zartes, gezupftes, bemerkenswert saftiges Ossobuco, das man über Stunden schmorte, dann im Fond auskühlen ließ, jenen reduzierte und dann mit dem gepulltem Fleisch vermengte: das Ergebnis war ein absoluter Hochgenuss“.
Und dem ist nichts hinzuzufügen, im Glas tat die Sangiovese Traube derweil ihr gutes Werk, mit erwartbaren tiefen roten Früchten, samtigen Tanninen, dezenter Adstringenz und langem Abgang – klassischer und passender hätte die Begleitung kaum ausfallen können.
| Hauptgang |
Schloßhotel Hugenpoet / Dominic Schab:
Lammrücken I Fermentierte Zwetschge │ Sellerie │ Beete
2017 Mouton Cadet Réserve Graves Rouge AOC, Baron Rothschild, Pauillac, Bordeaux

Nach diesen beiden mediterranen Gängen ging es thematisch wieder in regionale Gefilde, schon der beeindruckend fein mit dem Messer damaszierte und aufgeknusperte Fettdeckel des Lamms ließ das Auge schwärmen.

Der Jus wurde angegossen und der eher klassisch gründende Teller überzeugte auch auf dem Gaumen, mit einem herausragenden Jus und einer die Salzigkeit des Lamms wohlig konternden schweren Süße von Sellerie und Beete.
Das dem Augen- und „Zungenschein“ nach Sous Vide gegarte Fleisch war über alle Zweifel erhaben, in Summe ein gelungener Ausflug und ebensolcher Einblick in die Küche des Hugenpoet, das an diesem Abend weniger auf Experimente als auf Klassik mit Niveau setzte.
Trotz einer gewissen Salznote des Fleisches blieb Süße aber tonangebend auf dem Teller, auch mein geschätzter Tischnachbar, der bekannte Ruhrgebiet-Kulinarik-Blogger und -Intimus Peter Krauskopf, merkte zu Recht an, dass ein wenig Säure dem Teller gut getan hätte.
Aber das ist eine Randnotiz aus der Kategorie „Geschmackssache“: zusammen mit dem ebenfalls betont klassisch vinifizierten Rothschild’schen Bordeaux hatte man einen Gang vor sich, der auf dem Niveau des Abends spielend mithalten konnte und eine überzeugende Visitenkarte für die Küche des Hauses darstellte.
| Dessert |
Jadgdhaus Schellenberg / Marc Wimper:
Erdbeer-Schoko-Törtchen │ Rhabarber-Variation I Puffreis │ White Brownie Crumble
2021 Muskat Rosé QbA, Weingut Gold, Weinstadt-Gundelsbach, Württemberg

Hübsch war sie anzusehen, die kleine Halbkugel aus weißer Schokolade in ihrem essbaren Bettchen aus Milch-Schokolade auf Rhabarbercreme.
Gefüllt mit einer luftig schaumigen Erdbeerzubereitung, begleitet von frühlingshafter Gänseblümchen-Garnitur und einem köstlichen White Brownie Crumble, dazu säurespendender marinierter Rhabarber.

Ich mochte die Balance von Süße und fruchtiger Säure sehr, auch wenn ich nie ein ausgesprochener Dessert-Fan werde, habe ich das Gericht durchaus mit Freude verspeist: ein gelungener Abschluss aus solider Pâtisserie, nicht mehr, und nicht weniger.
Froh war ich auch über den begleitenden Muskat-Trollinger, denn man hat sich statt eines reinen Süßweines (mit denen ich fast immer meine Probleme habe) für diesen halbtrockenen, extrem fruchtbetonten Rosé entschieden und tat gut daran.
Denn die wohltuende Rhabarber-Säure auf dem Teller hätte sich mit einem Zucker-Tsunami im Glas zumindest in meiner Welt – alles subjektiv wie immer – nicht wirklich gut verstanden, abermals eine gute Wahl für mich.
Nach diesem Gang gab es noch genügend Zeit für abschließende Worte von Emrich Welsing, die Teams traten zum Finale unter großem Applaus der Anwesenden zusammen vor die Gäste, gelöste, zufriedene und vor allem gute Stimmung auf beiden Seiten: ein harmonischer, unverkrampfter Schlussakkord und damit pars pro toto den gesamten Abend betreffend.







Die Weine des Abends
Was bleibt?
Als sich das Kaminzimmer langsam leerte sah ich gelöste, zufriedene Gesichter, und ich war eines davon. Die Veranstaltung war ein verheißungsvoller Auftakt für die maxiMahl hoch 5 Reihe, durchweg ansprechende Kulinarik, begleitet von perfektem Service: bestens organisiertes Fundraising mit Charme, Niveau und Persönlichkeit.
Wer in Essen Gutes tun möchte, eine Affinität zum Hintergrund des Vereines hat und die wohltätige Idee begrüßt, dem kann ich eine Teilnahme an den weiteren Abenden dieser Serie nur empfehlen, hier verbinden sich Genuss und die gute Tat auf denkbar angenehmste Art und Weise.
Noch drei saisonale Menüs mit denselben Essener Protagonisten stehen in diesem Jahr noch an:
Das Sommermenü: Montag 5. Juni, im Jagdhaus Schellenberg
Das Herbstmenü: Montag 4.September, im Chefs & Butchers
Das Wintermenü: Montag 6.November, im Restaurant Gärtnerei
Kontakt: maximahl@welsing-communication.de
Die Homepage des Vereines: https://www.foerderturm.de/
Und damit möchte ich mich bei allen bedanken, die diesen Bericht möglich machten:
- bei Emrich Welsing und Michael Alisch für die Anfrage
- bei der beteiligten Gastronomie für die in jeder Hinsicht überzeugende Vorstellung
- beim gastgebenden Schlosshotel Hugenpoet für die hinreißende Bühne des Abends, sie hat viel Lust darauf geweckt, dort einmal zu nächtigen und die Hotellerie zu würdigen
- und nicht zuletzt beim Verein selbst, die Einblicke in sein Tun, und für die sympathischen Begegnungen, die ich in seinen Reihen an diesem Abend erfahren konnte
Und Souvenir-Fotos mussten natürlich auch sein, nicht aus Profilneurose, sondern weil es schöne Erinnerungen sind – und ich mal ausnahmsweise halbwegs gesellschaftsfähig gekleidet war. 😀




In Wort und Bild dem ebenso wohltuenden wie wohltätigen Event angemessen – wie willst Du das in den verbleibenden drei Jahreszeiten noch toppen??