Restaurant Mösch, Hilden: gepflegte Küche nebst herzlichem Gastgebertum

„In Hilden hat ein neues Restaurant aufgemacht, das vielversprechend ist: Restaurant Mösch, Nove Mesto Platz 3c. Deutsche Küche regional, hochwertig und preiswert. Ein Tip von mir.“ lautete die wohlmeinende Nachricht eines Hildener Lesers, die mich kürzlich erreichte.

Mich erreichen häufig solche Hinweise, für die ich immer dankbar bin, und das klang doch wirklich mal recht vielversprechend.

Die Webseite und die Karte des Restaurants, die ich mir daraufhin anschaute, schien die Aussage des sympathischen Tippgebers trefflich zu bestätigen.

Kurzentschlossen rief ich dort an, und hatte die Chefin selbst am Apparat. Wir verabredeten uns für den gestrigen Nachmittag des 7.5.2025 zu einem ausführlichen Interview- und Fototermin, inklusive Verkostung natürlich, über dessen Eindrücke ich heute berichten möchte.

Versteckte Lage

Das Restaurant auf Anhieb zu finden ist für Ortsfremde gar nicht so einfach. Denn es liegt in einem Innenhof eines für mich recht verwinkelten Geschäftshauses, im Umfeld Arztpraxen und Anwaltskanzleien.

Dieses Umfeld ist zugegeben etwas trostlos, dafür wirkt das Restaurant aber schon im Außenbild wie eine einladende Oase inmitten tristen Graus.

„Laufkundschaft“ dürfte in dieser Lage aber eher schwierig sein, was aber kein Hindernis ist.

Denn wie man mir sagte, war in den Räumen des Mösch vormals rund 20 Jahre lang ein italienisches Restaurant – der Standort ist als Bühne für Gastronomie also zumindest in Hilden schon etabliert möchte ich annehmen.

Ambiente mit Stil

Der helle Gastraum sprach mich in seiner Gesamtwirkung durchaus an. Ich mochte die Farben und besonders die Wand mit den beleuchteten eingelassenen Kästen nebst dort abgestellten Vasen gefiel mir ausnehmend gut.

Man verriet mir, dass man den Großteil der Einrichtung vom Vorgänger übernommen hatte. Da man sich selbst aber auch die mediterrane Küche als Einfluss auf die Fahnen schreibt – dazu später mehr – empfinde ich das nicht als die Stilbruch, sondern sehr passend. Schließlich reden wir hier nicht über italienische Korbflaschen-Folklore sondern über ein Ambiente, das den Anspruch gehobener Küche auf den Tellern würdevoll begleitet.Im Sommer bietet man auch einen Innenhof, der zusätzliche Plätze unter freiem Himmel bietet.

Meet the chef – über Frau Burgwinkel

Wir hatten uns für die Zeit vor dem Abendservice verabredet, und ich war somit um kurz nach drei vor Ort und freute mich über das gute Wetter im Interesse ansprechender Bilder.

Als ich eintraf, war die emsige Chefin gerade mitten im Mise en place, und schon da fiel mir ihre so angenehm ruhige, konzentrierte, und saubere Arbeitsweise auf. Schon nach wenigen Sekunden wirkte es auf mich, als könne diese Frau in der Küche so schnell nichts aus der Ruhe bringen.

Katja Burgwinkel heißt die Dame, ist gelernte Köchin und kann einen sehr soliden Werdegang vorweisen. Die sympathische 49-jährige, gebürtige Kölnerin lerne einst im Maritim Köln.

Das Haus scheint wirklich eine Keimzelle für gute Leute zu sein. Auch im DEHOGA Nachwuchswettbewerb „Young Stars“ der letzten beiden Jahre, dem ich in der Jury beiwohnen durfte, landeten Sprösslinge des Maritim stets auf den vordersten Plätzen.

Und wenn, wie im Falle von Frau Burgwinkel gestern, man nach so langer Zeit rückblickend derart positiv über seinen Ausbildungsbetrieb berichtet, spricht das sicherlich abermals positive Bände über das Maritim.

Danach führte sie ihr Weg für anderthalb Jahre nach Wien, wo sie in einem renommierten fünf Sterne Superior Hotel weitere Erfahrungen in der Welt der gehobenen Küche machen konnte.

Von dort aus ging es in nach Düsseldorf,  genauer gesagt ins Victorian (ein Michelin Stern, 18 GM), wo sie sich in siebeneinhalb Jahren von der Hilfsköchin bis zur Küchenchefin hocharbeitete – seinerzeit unter den Küchenchefs Günter Scherer und Bobby Bräuer.

Es folgten zwölfeinhalb Jahre als Küchendirektorin des Relais & Châteaux Hardenberg BurgHotel in Niedersachsen, dessen Küche dem Gault Millau reife 16 Punkte wert war.

Was ich damals gar nicht mitbekommen hatte, war das hernach drei Jahre in Solingen folgen sollten, nämlich als Küchenchef in der Wipperaue, die zuvor mit großem Aufwand renoviert wurde.

Nach weiteren vier Jahren im wunderschönen Bayerischen Wald, über dessen Landschaft sie gestern immer noch in Schwärmen kam, nun der Schritt in die Selbstständigkeit und die Rückkehr ins Rheinland.

Über das Mösch und seine Ausrichtung

Zunächst mal stellt sich vielen sicherlich die Frage: woher kommt dieser Name? Ich zumindest war fest davon überzeugt, dass es sich um einen Familiennamen handeln würde.

Aber weit gefehlt. Die kleine „Mösch“ war der Kosename, den ihr Großvater ihr als kleines Mädchen gab. Das Wort steht für sie für eine unbeschwerte Zeit und ist daher sehr positiv besetzt. Ein liebevolles Detail wie ich meine.

Als ich fragte, wie sie einem Wildfremden in wenigen Worten ihre Küche beschreiben würde, antwortete sie umgehend „gutbürgerlich gehobene deutsche Küche mit farbenfrohen Einflüssen aus aller Welt“.

Zugegeben hört man zumindest Letzteres relativ häufig, aber da wurde klar, dass jemand einen wirklich konkreten Plan hinsichtlich dessen hat, was er mit seiner Küche darstellen möchte.

Wobei – Stichwort internationale Einflüsse – die erfahrene Köchin gerne zugab, dass ihr privat und auch beruflich mediterrane Einflüsse die liebsten sind. Auch mit Liebe gekochte Schmorgerichte mit guten Produkten seien etwas, was ihr Köchinnen-Herz gerne mal höher schlagen lässt.

Das spiegelt auch die wohltuend überschaubare Karte wider, die schon in ihrem Umfang für frische Küche steht, die es hier auch definitiv zu finden gibt.

Die Karte wiederum findet man bei Interesse unter https://restaurant-moesch.de/speisekarte/ – auch vegetarische Gerichte findet man dort ständig im Angebot.

Die Auswahl der Weine, die man offen oder als Flasche anbietet, flankiert das Angebot mit zum Teil wohlbekannten Namen und durchgängig bezahlbarer Qualität. Ich erkannte eine wohlvertraute spanische Bodega, aber auch die Pfalz ist vertreten. Wer jetzt in der Spargelzeit also seine liebsten deutschen Weißweine sucht, wird hier nicht enttäuscht.

Allerdings handelt es sich wie gesagt um eine Auswahl, eine Flaschenweinkarte mit mannigfaltigen Optionen existiert noch nicht.

Nach Hilden, das dürfte die Hildener freuen, kam sie, weil sie die Stadt in den Solinger Jahren kennenlernte, und sich bei der Gelegenheit ein wenig in das Städtchen verliebte.

„Irgendwie schien es, als sei die Welt hier noch in Ordnung“, sagte sie mir freundlich lächelnd. Die Innenstadt sei belebt, und die Gastronomie könne sich vielerorts über mangelnde Gäste nicht beklagen, so ihr damaliger Eindruck.

Und so griff man zu, als sich die Gelegenheit bot. Keine schlechte Entscheidung, wie es scheint. Denn wie Schwester und charmante Servicechefin Tanja Burgwinkel mir freudig und erleichtert schilderte, wird das Restaurant sehr gut angenommen und hat, keine acht Wochen nach Eröffnung, bereits eine Woche Vorlauf, was Reservierungen angeht.

Tanja und Katja Burgwinkel mit Service-Dame Fatima

Zudem bietet man an jedem letzten Donnerstag im Monat einen „Austernabend“ an, Tages-Specials oder Wochenkarten sind neben saisonalen Sonderkarte nicht geplant.

Die Küche – wohltuend geradlinig und produktverliebt

Was die Auswahl der Gerichte angeht, die wir uns näher anschauen würden, überließ ich Frau Burgwinkel die freie Auswahl. Denn schließlich weiß sie am besten, was sie und ihre Küche im kleinen Querschnitt am besten repräsentiert.

Als Appetitanreger serviert man zweierlei Brot, heute auch eine Variante mit Nüssen. Nicht verschweigen möchte ich dabei, dass man das Brot selbst backt. Das sollte man einer Einzelkämpferin in der Küche wirklich hoch anrechnen, ich denke in diesem Fall hätte jeder Verständnis für gutes zugekauftes Brot.

Dazu gibt es einen Kräuterquark der besseren Sorte, oft schmecken diese ja nach fast nichts. Und das ist auch der Grund dafür, dass – langjährige Leser wissen das – ich seit Urzeiten gerne zu sarkastischen, nicht wirklich böse gemeinten Gähn-Tiraden ansetze, wenn mich diese „bewährte“ Kombo als“ Gruß aus der Küche“ erwartet.

Das bringe ich hier angesichts von selbst gebackenen Brot und der Tatsache, dass es gut geschmeckt hat, aber natürlich nicht übers Herz.

Ich würde mich aber darüber freuen wenn das Thema „mediterran“ sich in einem kleinen Appetithappen widerspiegeln würde, mit Tapenade oder geröstetem Brot mit Anchovicreme etc. pp.

Aber dies nur ganz am Rande, denn Frau Burgwinkel servierte mir den ersten Gang:

„Tatar vom gebeizten Saibling und dessen Kaviar mit Limonencreme und Spargelsalat“

Ein schönes Tellerbild mit essbaren Blüten wie lila Stiefmütterchen, eingefasst von Petersilienöl, dessen äußerer Kranz und Tupfen noch mit Balsamico akzentuiert wurde.

Der begleitende Spargelsalat von weißem und grünem Spargel überließ mit dezenter Süße und Säure geschmacklich Tatar und Kaviar klar den Vortritt.

Der hausgebeizte Saibling, bzw. dessen Tatar mit feiner Dill-Note ließ geschmacklich und qualitativ keine Fragen offen, die Kombination mit Kaviar so bekannt wie bewährt.

Die angenehm feste Limettencreme hob die leicht erdigen Töne der Beize wieder auf, eine Gabel mit allen Komponenten machte viel Freude. Würde ich hier jederzeit wieder bestellen, denn ich liebe „maritime“ Vorspeisen.

Es folgte:

„Rosa gebratener Kalbstafelspitz mit Sauce Gribiche und eingelegten Radieschen“

Zusammenfassend könnte man sagen: eine edle Version eines Tellers Roastbeef mit Remoulade. Und eine sehr gelungene solche.

Das saftige, rosa gegarte Fleisch schimmerte saftig unter der begleitenden Sauce, abermals ein sehr ansprechendes Tellerbild.

Wer sie nicht kennt: Sauce Gribiche ist so, als hätte ein gekochtes Ei beschlossen, sich mit Senf, Essig, Kapern und Gewürzgurken zu einer feinen Gesellschaftsform zusammenzurühren. Sie schmeckt wie ein französischer Kartoffelsalat, der auf einer feinen Soirée plötzlich Lust auf Kalbskopf bekommt.

Und ja – sie klingt nach Haute Cuisine, sieht aber manchmal aus wie der charmante Cousin der Remoulade mit Doktortitel.

Dies umschiffte die Köchin geschickt damit, dass sie die Eier nicht in der Sauce verarbeitete, sondern als halbierte Wachteleier obenauf gab – und warum auch nicht?

Eine gewisse Eleganz bei dem Gang dann auch geschmacklich anzumerken. Fein abgeschmeckt die Sauce, deren gehaltvolle Grundsubstanz von den gepickelten Radieschen mit ihrer Säure und etwas Brunnenkresse geschmacklich im Zaum gehalten wurde und dabei wunderbar harmonierten.

Abermals ein rundum gelungener Gang, den ich ohne Einschränkung empfehlen möchte.

Nach diesen beiden Episoden aus der kalten Küche, folgte nun mit dem Hauptgericht der erste warme Gang:

„Loup de mer mit Safransauce auf mediterranem Gemüse und Kräutergnocchi“

Ich liebe ja kross auf der Hautseite gebratene Fischfilets. Aber leider täuscht die Optik oft – will heißen: die Haut sieht so aus, ist aber nicht im Ansatz knusprig.

Hier das komplette Gegenteil. Ich möchte gar behaupten, dass dieses Stück Fisch das perfekt gegarteste war, dass ich in den letzten Jahren gegessen habe.

Die Haut war so wunderbar rösch und das Innere absolut perfekt saftig und glasig. Schon für sich genossen ein absoluter Hochgenuss für Freunde von ansprechenden Fischgerichten ohne großen Schnickschnack. Gute Produkte brauchen eben keine Tellerkirmes.

Ein weiteres Highlight dann die Safran-Velouté, die geschmacklich einiges an Substanz mitbrachte, was mich freute. Oft sind diese Velouté Spielarten unfassbar fade, was hier nicht der Fall war.

Der Safran erschlug nicht, sondern war perfekt dosiert, die Konsistenz eine Augenweide: das ist klassische, gute Küchenkunst.

Ich gestehe kein Gnocchi-Fan zu sein: oft zugekauft, zu langweilig, zu batzig und sättigend etc. – es ist einfach nicht meine Cup of Pasta.

Aber diese fluffigen, hausgemachten Exemplare mit dezenten mediterranen Kräuternoten wie Basilikum, habe ich gerne verspeist.

Was vielleicht daran lag, dass sie auch in der Pfanne geschwenkt wurden und jedes Exemplar eine leichte goldbraune Knusperkruste trug.

Das auf dem Foto schlecht zu sehende, im Schnitt fein gearbeitete Ratatouille unter dem Fisch begeisterte mit hocharomatischen Produkten. Es mag kitschig klingen, aber alleine die Tomaten sorgten für einen Hauch vom Süden auf dem Gaumen.

Allein: obwohl für sich genommen für die meisten Gaumen sicher perfekt abgeschmeckt, hätte mich ganz persönlich eine Prise Piment d’Espelette und ein Hauch Säure darin sehr gefreut, etwas Tiefe hätte man damit noch verleihen können.

Aber das ist keine Kritik, sondern in erster Linie eine Anmerkung des persönlichen Geschmacks, dies zur Einordnung.

Kalorienreich ging es mit dem Dessert weiter:

„Variation von der Schokolade“

Patisserie, so gab die Chefin unverhohlen zu, sei sympathischerweise nicht ihr liebstes Hobby, die herzhaften Genüsse liegen ihr mehr.

Und auch ich muss gestehen, dass ich mir in einem anderen Moment ganz sicher die Käseauswahl bestellt hätte. Denn die kommt hier lobenswerterweise mal ausnahmsweise nicht von Altmeister Waltmann, dem erklärten Liebling der gehobenen Gastronomie, sondern vom Hildener Wochenmarkt.  

Für den günstigen Preis von lediglich 7,50 € erhält man eine Auswahl von vier Komponenten (ich glaube ich muss es nicht mehr erwähnen: hausgemacht), die mir allesamt viel kalorische Freude gemacht haben.

Die Mousse von dunkler Schokolade gehalt- und geschmackvoll, so wie es sich gehört und keine ätherische Luftnummer. Obenauf: Salzkaramell-Perlen.

Das Eis von weißer Schokolade: für mich als Fan weißer Schokolade ein Highlight: sahnig und mit allen Insignien gesegnet, die eine hochwertige weiße Schokolade für mich geschmacklich ausmacht.

Drei Kugeln davon, dazu frische Erdbeeren und Sahne und der Abend ist dein Freund möchte ich behaupten.

Da hätte ich fast den sündigen feuchten kleinen Schokokuchen und den Knusper-Crumble von der Vollmichschoki fast nicht gebraucht, aber Textur kann ja nie schaden in so einem Dessert.

„Wer Schokolade mag, sollte sich das anschauen, soviel steht fest.“ dachte ich, als ich die zweite Hälfte der köstlichen Erdbeere aß, nachdem ich den letzten Löffel Eis verspeist hatte.

Nach dem Essen gönnte ich mir noch einen Espresso und siehe da: selbst die süßen kleinen Heidesand-Kekse in Kükenform, die man dazu reicht, sind selbstgemacht.

Das Restaurant Mösch überzeugt mit einer weitgehend unverspielten, produktnahen Küche, die handwerklich perfekt und dabei ansprechend umgesetzt wird. Zusammen mit dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis glaube ich, dass man mit dieser Ausrichtung einen Nerv bei den Gästen getroffen hat.

Kein aufgebauschter Marketing-Schnickschnack in der Selbstdarstellung, keine oft so peinlich effekthaschenden Hipster Posts auf Instagram, sondern einfach nur gute und verständliche Gerichte in einem angenehmen Ambiente.

Im Rahmen dessen, was das Restaurant sein will und kann, hat mich das Gebotene sehr überzeugt und ich würde jederzeit als zahlender Gast wiederkommen, was ich auch definitiv tun werde.

Zumindest wenn mich Heißhunger auf Fisch überfällt, weiß ich fortan ganz genau, welche Speisekarte ich mir dann als erstes anschaue.

Kleiner Service-Hinweis noch: wie schon erwähnt, ist das Restaurant momentan gut gebucht. Man sollte mindestens mit einer Woche Vorlauf rechnen, dies bitte ich zu bedenken, bei spontanen Buchungs-Überlegungen.


Restaurant Mösch
Nove Mesto Platz 3E
40721 Hilden
https://restaurant-moesch.de

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