Im traditionsreichen Fachwerkhaus der Schmalzgrube hat ein neues Kapitel begonnen: Mit viel Engagement führen Olga und Christian Thiele das Restaurant fort, das schon seit Jahrzehnten zur gastronomischen Geschichte Solingens gehört.
Statt bloß Bekanntes neu aufzuwärmen, setzen sie auf eine frische Mischung aus deutscher Küche und serbischer Hausmannskost, die Authentizität und Bodenständigkeit miteinander verbindet.
Die Speisekarte bietet vertraute Klassiker wie Schnitzelvariationen, Schweinefilet, Rumpsteak oder Zanderfilet, erweitert aber das kulinarische Spektrum um charaktervolle Gerichte aus der serbischen Heimatküche.
Dazu zählen das Karadjordjeva-Schnitzel, gefüllt mit Kajmak und Schinken, die aromatische Muckalica, ein geschmorter Fleischtopf mit Paprika und Zwiebeln, oder die würzige Kobasica, eine serbische Grillwurst, serviert mit Djuvec-Reis.
Diese Wurst wird übrigens nach eigener Rezeptur des Restaurants (!!!) von der renommierten Metzgerei Rauschmann in Haan produziert, die auch das übrige Fleisch liefert, was für Qualität spricht.
Ergänzt wird das Angebot durch einige mediterrane Akzente wie Bandnudeln mit Gemüse oder Lachsmedaillons, die dem Ganzen Leichtigkeit verleihen, ohne den bodenständigen Charakter zu verlieren.
Die Getränkekarte zeigt ein aufgeräumtes, gut strukturiertes Angebot: klassische Biere vom Fass und aus der Flasche, alkoholfreie Erfrischungen sowie eine übersichtliche, ansprechend zusammengestellte Weinauswahl mit serbischen und deutschen Tropfen. Auch Schnäpse und Digestifs – darunter selbstverständlich Slivovitz – fehlen natürlich nicht.
Beide Karten sind online auf der Webseite der Schmalzgrube zu finden, Link wie immer am Ende des Posts.
Das Ambiente des Landhaus Schmalzgrube präsentiert sich ganz im Stil eines klassisch-gemütlichen Gasthauses – rustikal, aber gepflegt und einladend.


Holz dominiert den Raum: massive Tische, helle Stühle und Sitznischen mit gepolsterten Bänken schaffen eine warme Atmosphäre, die sofort an traditionelle Landhausstuben erinnert. Die dunklen Balken an der Decke verleihen dem Gastraum Struktur und Charakter, während die weißen Wände und modernen Hängelampen für eine angenehme Helligkeit sorgen.
Die Raumaufteilung mit kleinen, abgetrennten Sitzgruppen bietet Privatsphäre und Geborgenheit, ideal für Paare oder Familien. Der Blick zur Theke mit den Gläsern und Flaschenregalen verstärkt das Gefühl, in einem Ort verwurzelter Gastlichkeit zu sitzen – bodenständig, herzlich und unverstellt.
Insgesamt ist das Ambiente eine gelungene Verbindung aus traditioneller Behaglichkeit und dezent modernisierter Landhaus-Ästhetik – genau das, was man an einem Ort erwartet, an dem ehrliche Küche und entspannte Gastfreundschaft im Mittelpunkt stehen.

Ich war heute zum Erstbesuch hier und hatte mich nicht angekündigt, drei Gerichte gönnte ich mir, die wir uns jetzt kurz anschauen.
Zum Auftakt
Nach der Bestellung, quasi als kleine Geste des Hauses, kommt ein Körbchen mit kräftigem Graubrot an den Tisch – kein charakterloses Baguette, sondern ehrliches Brot mit Substanz.

Dazu gibt es hausgemachten Griebenschmalz und Urnebes, den typisch serbischen Paprika-Käse-Aufstrich, cremig, pikant und angenehm würzig.
Putzig auch der winzige Paprikastreuer, mit dem man das Schmalz nach Belieben verfeinern kann – ein Detail, das schmunzeln lässt und zeigt, dass hier jemand mit Herz arbeitet.

Gefiel mir sehr gut. Vor allem, weil in Balkan-Grillrestaurants eigentlich nie vorab etwas vom Haus kommt, schon da war ich positiv überrascht.
Vorspeise: Lachsfiletmedaillons auf frischem Tomaten-Rucola-Bett in Orangenvinaigrette – sehr erfrischend in diesem Gastro-Genre!
Weder typisch deutsch noch serbisch, aber ausgesprochen gelungen. Der Lachs war frisch – kein Tiefkühlprodukt – und perfekt auf den Punkt gegart: außen zart gebräunt, innen saftig.

Die fein abgestimmte Orangenvinaigrette verband sich harmonisch mit der leichten Schärfe des Rucola, während die roten Beeren dezente, fruchtig-pfeffrige Akzente setzten.

Ein gelungener mediterraner Zwischenton, der zeigt, dass man hier auch über den Tellerrand der klassischen Balkangrill und Landhausküche hinausblickt.
Hauptgang: der ewige Balkan-Grillteller – Klassiker mit Handschrift

Der Grillteller (23,50 €) vereint Spezialitäten Küche: Cevapcici, kleine Pljeskavica, Hühnersteak, Raznici, Kobasica (die „hauseigene“ Wurst) und Grillspeck – begleitet von hausgemachtem Djuvec-Reis, Pommes und Ajvar.

Ich wählte diesen Teller bewusst, denn er ist in Lokalen dieser Art häufig der Liebling vieler Gäste – ein Maßstab dafür, wie ernst man die Grillküche nimmt. Schon beim Servieren entfaltet sich ein appetitlicher Duft nach gegrilltem Fleisch.
Alles zeigt sich saftig, zart und mit schönen Röstaromen, wie man sie nur von einem gut gepflegten Grillrost kennt. Die Würzung ist ausgewogen, das Fleisch aromatisch ohne Übertreibung.

Die Pommes sind goldgelb, knusprig und duftend, der Ajvar mild, fruchtig und angenehm fein abgeschmeckt – eine stimmige Begleitung. Optisch wie geschmacklich überzeugt der Teller durch klassische, ehrliche Küche – handwerklich sauber, ohne Effekthascherei, und angenehm großzügig portioniert.

Ein Gericht, das zeigt, dass man hier die Tradition ernst nimmt und die Erwartungen an einen Balkan-Klassiker souverän erfüllt.
Dessert: Hausgemachte Palatschinken mit Blaubeeren – süßer Abschluss mit Charme

Zum Finale des Menüs serviert das Landhaus Schmalzgrube eine großzügige Portion hausgemachter Palatschinken, gefüllt mit Blaubeeren und umspielt von Vanillesoße, frischen Himbeeren und Schokosauce. Die Pfannkuchen sind goldgelb, luftig und weich, die Balance aus fruchtiger Säure und milder Süße ist angenehm gelungen.

Die Präsentation verdient eine Erwähnung: Die Schokosauce wurde liebevoll mit dem Zahnstocher verziert – eine simple, fast oldschool anmutende Geste, aber auf diesem Preisniveau charmant und aufmerksam, weil sie zeigt, dass hier jemand Freude am Detail hat.
Ein klassisches Dessert, das mit Großzügigkeit, Geschmack und persönlicher Note überzeugt – und den Abend auf eine warme, sympathische Weise abrundet.
Fazit
Das neue Landhaus Schmalzgrube zeigt, dass bodenständige Küche auch ohne Pathos überzeugen kann. Olga und Christian Thiele setzen auf ehrliche Hausmannskost mit serbischen Akzenten, die mit Sorgfalt, Qualität und Gespür für Geschmack zubereitet wird.
Vom kleinen Gruß mit hausgemachtem Griebenschmalz und Urnebes über den frischen, gut abgestimmten Lachssalat bis zum saftigen Grillteller mit deutlichen Röstaromen und schließlich den liebvoll angerichteten Palatschinken zieht sich ein roter Faden durch das Menü: Handwerk, Bodenhaftung und Freude am Tun.
Das Ambiente ist traditionell, aber gepflegt und gemütlich, die Portionen sind fair kalkuliert, der Service aufmerksam.
Ein sympathisches, familiär geführtes Restaurant, das sich seinen Platz in Solingens Gastroszene verdient – klare Empfehlung!
Landhaus Schmalzgrube
Mangenberger Str. 356
42655 Solingen
https://landhausschmalzgrube.de/


