Es gibt Orte, die sich nicht mit Etiketten zufriedengeben. Das Fasil in Solingen gehört zweifellos dazu.
Einst als modernes türkisches Restaurant gestartet, hat es sich längst zu einer festen Größe in der städtischen Gastronomie entwickelt – und zu einem Ort, an dem Tradition und feine Kulinarik auf harmonische Weise verschmelzen.

Hier wird authentische türkische Küche nicht als museales Erbe verstanden, sondern als lebendige Grundlage, die sich mit neuen Ideen verbinden darf.
Neben Klassikern wie Adana Kebab oder gegrilltem Lamm finden sich auf der Karte auch Gerichte, die zeigen, wie weit die Familie Ates über die Grenzen Anatoliens hinausdenkt: etwa Trüffelpasta mit Kobe-Beef oder asiatisch inspiriertes Thunfisch-Tataki.
Das ist kein Bruch, sondern Ausdruck einer klaren Haltung – man glaubt hier an Weiterentwicklung aus Überzeugung.
Auch die Weinkarte folgt diesem Gedanken. Sie ist sorgfältig zusammengestellt, nicht überladen, aber mit einem hohen Anspruch. Neben edlen Tropfen aus Italien, Spanien und Frankreich finden sich dort auch einige bemerkenswerte türkische Weine, die in Qualität und Charakter überraschen.
Die Preise bleiben dabei erfreulich fair, die Auswahl an Schaumweinen und Champagner zeigt Stil, ohne protzig zu wirken.
So wie die Küche verbindet auch der Weinkeller Klassik und Moderne – bodenständig, kenntnisreich und von jener feinen preislichen Zurückhaltung, die mitunter selten geworden ist.
Ambiente & Team – ein Familienbetrieb mit Stil und Herz
Das Fasil empfängt seine Gäste mit behaglich-stilvoller Lichtstimmung, warmen Farben, freigelegtem Backstein und dezentem Gold – elegant, aber nicht abgehoben. Ein wenig Brasserie, ein wenig Paris, ein wenig Istanbul.




Die Atmosphäre ist freundlich und modern, mit diesem Hauch von mediterraner Gastlichkeit, der sich nicht inszeniert, sondern auch aus der Haltung des Teams heraus ergibt.
Zum Team gehören gleich mehrere Mitglieder der Familie: Mehmet Ates, der Restaurantleiter, der den Service ruhig, aufmerksam und mit jener unaufdringlichen, herzlichen Souveränität leitet, die wahre professionelle Gastlichkeit ausmacht – und einem unverkennbaren Gespür für Stil.
Seine Mutter Nermin Ates steht als erfahrene Köchin in der Küche, wo sie gemeinsam mit dem erfahrenen Küchen-Team jene herzhaften, aromatischen Gerichte verantwortet, die den Charakter des Hauses tragen. Und im Service sorgt dessen Leitung Nisara Thunmanont, Mehmets Frau, wie auch ihr Team, für eine charmante und ebenso unaufgeregt-routinierte Begleitung des Abends.

Schon der erste Eindruck zeigt: Hier wird mit Haltung und Liebe gearbeitet – nicht als Konzept, sondern aus Selbstverständnis.
Ein Aperitif mit Stil – Bortolomiol Prosecco Rosé

Der Abend begann leicht und elegant mit einem Glas Bortolomiol Miòl Prosecco Rosé DOC, dessen feinperlige Frische sofort ein wenig Leichtigkeit in den Raum brachte. Zarte Beerenaromen, ein Hauch Blütenhonig und die elegante Trockenheit eines gut abgestimmten Schaumweins bereiteten perfekt auf das Menü vor.
Ein Aperitif, der nicht aufdringlich ist, sondern begleitet – ein stiller Einstieg in einen Abend, der von kulinarischer Sorgfalt und feinem Stil geprägt sein sollte.
Begleiter des Abends – frisches Fladenbrot
Noch bevor die ersten Teller erscheinen, steht ein Korb mit hausgebackenem Fladenbrot auf dem Tisch – außen leicht knusprig, innen weich und duftend. Das Brot wird wahlweise pur oder leicht gegrillt serviert, und es ist mehr als nur ein Begleiter: Es ist ein kleines Statement.

Die Küche schenkt hier auch den einfachen Dingen Aufmerksamkeit, und das merkt man. Kein Effekthascherei, kein Knoblauchbad – einfach gutes Brot mit feiner Textur, das Lust auf mehr macht.
Trüffelpasta mit A5-Wagyu – feine Balance mit einem Hauch Dekadenz

Dieses Gericht steht exemplarisch für die moderne Linie im Fasil: mediterran inspirierte Küche mit gehobenem Anspruch und feinem Gespür für Balance.
Die Spaghetti liegen klassisch in einer cremigen Sauce, deren Duft nach frischem, sehr brauchbarem Wintertrüffel den Raum erfüllt – erdig, nussig, ganz ohne den aufdringlichen Ton künstlicher Aromen.

Darauf ruhen Scheiben von A5-Wagyu-Beef, außen fein angeröstet, innen zartrosa und von jener buttrigen Textur, die sich beim ersten Bissen fast von selbst auflöst. Das Fett des Fleisches verbindet sich mit der Sauce, rundet sie ab und verleiht ihr eine seidige Tiefe.
Dieses Gericht vereint köstlichen Geschmack mit einem Hauch Dekadenz – luxuriös, ohne überladen zu wirken.
Mit einem Aufpreis von 32 Euro für 150 Gramm Wagyu liegt der Teller bei rund 60 Euro – und wird so zum bewussten Genussmoment, der in Erinnerung bleibt.
Jakobsmuscheln Florentiner Art – klassisch, üppig, aromatisch
Ein ganz anderer, klassischer Charakter zeigte sich bei den Jakobsmuscheln Florentiner Art, einer kleinen Hommage an die Bistroküche. Die Muscheln kommen in der Schale gratiniert, mit Blattspinat, Knoblauch und Sahne – überzogen von einer goldbraunen Decke, die beim ersten Löffel leicht nachgibt.

Die Kombination ist reichhaltig, aber stimmig: würzig, cremig und angenehm rund im Geschmack. Man schmeckt den frischen Spinat, den leicht nussigen Ton der Muscheln und die feine Sauce, die alles miteinander verbindet.
Thunfisch Tataki – Frische, Präzision und Balance

Ein Gang, der fast schon wie ein Statement wirkt: Thunfisch Tataki in bester Sashimi-Qualität, außen nur kurz im Sesammantel angebraten, innen roh und von jener tiefroten Farbe, die auf absolute Frische verweist.
Darunter gebetteter grüner Spargel im feinen Panko-Mantel, der beim ersten Biss eine zarte Knusprigkeit entfaltet, bevor der saftige Kern nachgibt. Zwischen den Schichten sorgt feine Apfel-Julienne für Frische und ein dezentes Spiel aus Süße und Säure.

Zwei Tupfer Chili-Mayonnaise bringen Würze und leichte Schärfe, während die Ponzu-Sauce mit ihrem süß-säuerlich-pikanten Aroma alles miteinander verbindet. Obenauf: hauchfein geschnittener grüner Lauch – optisch ein Akzent, geschmacklich ein erfrischendes Gegengewicht.
Das Gericht zeigt, wie durchdacht die moderne Linie im Fasil ist: Hier werden Texturen und Aromen nicht nebeneinander, sondern miteinander gedacht.
Köstlich, ausgewogen, leicht – und mit einem Hauch von internationalem Fine-Dining-Flair, das sich dennoch mühelos ins Gesamtkonzept des Hauses fügt.
Hummus – ein Klassiker mit leichtem Nachholbedarf

Natürlich darf in einem Haus mit diesen Wurzeln der Hummus nicht fehlen. Schön angerichtet, mit einem Spiegel aus gutem Olivenöl, oben etwas Sumach und frische Kräuter – optisch absolut überzeugend. Die Konsistenz ist cremig, der Sesamgeschmack dezent, die Zitrusnote fein balanciert.
Und doch: geschmacklich bleibt der Eindruck verhalten. Weder zu zitronig noch zu kräftig im Knoblauch, aber eben auch viel zu brav, vor allem Cumin fehlte komplett.
Auch Mehmet Ates sieht das so – „Da müssen wir echt ran, das sag ich ja selbst schon so lange!“, lachte er, und man glaubt ihm sofort. Ein sympathischer Moment, weil er zeigt, dass hier niemand auf Routine setzt, sondern mit ehrlicher Selbstkritik und Leidenschaft an Feinheiten arbeitet.
Adana Kebab – Herzstück anatolischer Küche

Das Adana Kebab ist das kulinarische Rückgrat des Hauses – ein Gericht, das tief in der anatolischen Tradition verwurzelt ist und zugleich die Sorgfalt des Fasil-Teams in jedem Detail spüren lässt.
Das Lammhackfleisch wird hier nicht einfach gewürzt und gegrillt, sondern 24 Stunden mariniert – in einer Form, sorgfältig beschwert mit einem Gewicht, damit sich die Aromen der Gewürze gleichmäßig im Fleisch verteilen. Anschließend kommt der Spieß auf den Lavasteingrill, wo er sein typisches Raucharoma und die zarte, saftige Struktur erhält.

Begleitet wird der Spieß von einer aromatischen Paprika-Tomatensoße, die an die klassische Grilltomate erinnert, aber feiner abgestimmt ist – mild, fruchtig und voller Geschmack.
Daneben sorgt das Grillgemüse für leichte vegetabile Röstaromen, während die Mutter des Hauses, Nermin Ates, für den Reis eine eigene Mischung aus drei verschiedenen Sorten verwendet – ein kleines, aber spürbares Qualitätsmerkmal, das den Unterschied macht.
Das Resultat ist ein Teller, der bei aller Bodenständigkeit Tiefe, Charakter und Harmonie zeigt.
Ein Stück anatolisches Erbe – handwerklich präzise, aromatisch ausgewogen und ganz ohne Showeffekte.
Lammfilet – zart, duftend und in Butter vollendet

Das Lammfilet zählt zu den edelsten Gerichten des Hauses und zeigt eindrucksvoll, wie präzise hier gearbeitet wird. Zartrosa gegrillt, auf dem Lavasteingrill mit perfektem Garpunkt und feinen Röstaromen, wird das Fleisch vor dem Servieren in flüssiger Butter zusammen mit frischen Kräutern geschwenkt – ein Handgriff, der nicht nur typisch für die türkische Küche ist und den Geschmack entscheidend vertieft.

Der entstehende Butterspiegel trägt nicht nur zur Optik bei, sondern rundet das Lamm mit einem seidigen, aromatischen Glanz ab. Dazu gesellen sich gegrilltes Gemüse – Aubergine, Zucchini, Paprika – in kräftiger, leicht süßlicher Note sowie Gemüse-Bulgur, der mit seinen erdigen Aromen und feiner Würze den Teller harmonisch abrundet.

Ein Gang voller Balance und Charakter, bei dem die Butter das verbindende Element ist – sie macht das Gericht reichhaltig, aber nicht schwer, und verleiht ihm jene sanfte Tiefe, die man unwillkürlich mit echter türkischer Kochkunst verbindet.
Kayra Versus Alpagut – ein Stück anatolischer Weinkultur im Glas
Zum Lammfilet wählte ich den Kayra Versus Alpagut 2020, einen reinsortigen Öküzgözü aus Elazığ in Ostanatolien – eine der spannendsten Rebsorten der Türkei. Schon das Bukett kündigt Größe an: reife dunkle Beeren, Pflaume, etwas Zedernholz und ein Hauch Mokka. Am Gaumen entfaltet sich der Wein seidig, mit feinen Tanninen und einer Balance aus Frucht, Würze und Tiefe.

Sein Körper ist kraftvoll, ohne zu dominieren – genau das macht ihn zum idealen Begleiter des in Kräuterbutter vollendeten Lammfilets. Die Röstaromen des Fleisches greifen die Holznoten des Weins auf, die Butter trägt die Frucht und verleiht dem Zusammenspiel eine weiche, fast samtige Verbindung.
Dass Fasil türkische Weine dieser Qualität auf der Karte führt, ist bemerkenswert – sie zeigen, dass die anatolische Weinkultur längst auf Augenhöhe mit europäischen Klassikern agiert. Ein Wein, der nicht nur begleitet, sondern erzählt – von Erde, Sonne und Leidenschaft.
Dorade vom Lavasteingrill – puristische Eleganz mit Charakter

Eigentlich wählte ich frische Nordsee-Seezunge (!), aber die wahr leider aus, so sollte es eben gegrillte Dorade geben.
Ein Gericht, das wieder mal zeigte, dass wahre Qualität keine Inszenierung braucht: die Dorade vom Grill, außen goldbraun mit feinen Röstaromen, innen von fester, saftiger Textur – genau so, wie es Liebhaber dieses Mittelmeerfisches schätzen. Ihr Fleisch besitzt jenen leicht nussigen, eigenständigen Charakter, der in der türkischen und levantinischen Küche traditionell hoch geschätzt wird.

Auf dem Lavasteingrill gegart, bleibt das Aroma konzentriert, das Fleisch verliert nichts von seiner Spannkraft – jeder Bissen vereint Meeresfrische mit dezenter Rauchnote. Dazu werden buttrig gebratene Drillinge serviert, deren milde, erdige Note einen schönen Kontrast zum Fisch bildet, sowie ein kleiner Salat aus Rucola, Tomaten, roten Zwiebeln und Sumach, der Frische und leichte Säure beisteuert.

Ein Spritzer Zitrone genügt, um das Ensemble zu vollenden – puristisch, aber auf den Punkt. Ein Gericht, das an mediterrane Strandküchen erinnert, jedoch mit der Präzision und Sorgfalt eines ambitionierten Hauses zubereitet ist.
Whispering Angel – ein Hauch Côte d’Azur im Glas
Zur Dorade wählte ich den Whispering Angel 2024 von Château d’Esclans, einem der renommiertesten Rosé-Weingüter der Provence. Schon sein zart lachsfarbenes Leuchten vermittelt südfranzösische Eleganz – ein Wein, der nach Sonne, Meer und feiner Lebensart schmeckt.

Am Gaumen entfaltet sich ein präzises Spiel aus heller Frucht, Zitrusnoten und einem Hauch weißer Blüten, getragen von feiner Mineralität. Seine Frische macht ihn zum perfekten Partner des puristisch gegrillten Fisches: Die zarte Salzigkeit der Dorade und der fruchtig-trockene Charakter des Rosés verschmelzen zu einem wunderbar harmonischen Bild, das fast an die Mittelmeerküste denken lässt.
Ein Wein, der leise spricht – aber nachhaltig in Erinnerung bleibt. Ein Whispering Angel eben, der legendäre Klassiker an der Côte d’Azur.
Künefe – süßer Abschluss mit Charakter und feinem Gleichgewicht

Das hausgemachte Künefe im Fasil ist ein Paradebeispiel dafür, wie Tradition und Feingefühl zusammenfinden können. Zwischen goldbraun gebackenen, hauchdünnen Engelshaar-Teigfäden schmilzt ein milder, leicht salziger Käse, der dem Dessert seine unverwechselbare Balance gibt – jener Kontrast, der süßen Sirup und cremigen Rahm erst richtig zur Geltung bringt.

Obenauf liegt eine kühle Haube aus Kaymak, jener dichten Rahmspezialität, die das Künefe in eine weiche, fast luxuriöse Umarmung hüllt. Fein gemahlene Pistazien runden das Bild nicht nur optisch, sondern auch aromatisch ab.
Bemerkenswert: Es ist nicht zu süß, sondern angenehm ausgewogen – die buttrige Knusprigkeit des Teigs, der sanft schmelzende Käse und der dezente Sirup verbinden sich zu einem stimmigen Finale, das ebenso elegant wie wohltuend wirkt. Ein Dessert, das Wärme und Handwerk gleichermaßen ausstrahlt.
Ein Abend voller Herzlichkeit und Genuss
Nach mehr als fünf intensiven, genussvollen Stunden im Fasil bleibt vor allem eines: Dankbarkeit.


Dankbarkeit für einen kulinarisch wie menschlich so erfreulichen Abend, den ich mit Mehmet Ates verbringen durfte – einem Gastgeber, der nicht nur sein Handwerk versteht, sondern in jedem Detail spüren lässt, wie sehr er für seine Küche und seine Gäste brennt.

Zwischen Aromen, Gesprächen und Geschichten verging die Zeit wie im Flug. Das Zusammenspiel aus feiner Küche, gelebter Gastfreundschaft und einer fast familiären Atmosphäre machte diesen Abend zu etwas Besonderem.
Mein herzlicher Dank gilt Mehmet und seinem gesamten Team, die mit Aufmerksamkeit, Leidenschaft und spürbarer Freude am Tun ein Erlebnis geschaffen haben, das weit über gutes Essen hinausgeht.
Ein Abend, der bleibt – wie ein schönes Lied, das noch nachklingt, wenn längst Stille eingekehrt ist.
Fazit
Das Fasil überzeugt auf ganzer Linie – nicht durch Effekthascherei, sondern durch solides Können, feines Gespür und Ehrlichkeit auf dem Teller. Hier wird mit besten Produkten gearbeitet, präzise zubereitet und mit einem klaren Verständnis für Aromen serviert. Ob Fisch, Fleisch oder Vorspeisen – alles trägt die Handschrift einer Küche, die Tradition nicht nachkocht, sondern weiterdenkt.
Besonders beeindruckend ist die Bandbreite der kulinarischen Facetten: vom mediterran inspirierten Thunfisch-Tataki über klassische türkische Spezialitäten wie Adana Kebap oder Künefe bis hin zu anspruchsvollen Gerichten mit internationalem Anspruch.
Diese Vielseitigkeit wirkt nie beliebig, sondern folgt einer kulinarischen Logik, die auf Balance, Qualität und Authentizität beruht.
Die Handschrift der Familie und Kulinariker Mehmet Ates – vom Grill über die feinen Saucen bis hin zum harmonisch zusammengestellten Weinangebot – zeugt von Leidenschaft, Stolz und einem hohen Anspruch an das eigene Tun.
Kurz gesagt: Das Fasil ist ein Haus mit Charakter, das die Brücke zwischen moderner Gastronomie und anatolischer Kochkunst schlägt.
Eine klare Empfehlung – nicht nur für Solingen, sondern weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Fasil Restaurant & Bar
Restaurantleiter: Mehmet Ates
Am Neumarkt 5
42651 Solingen
https://fasil-solingen.de/

