Dieser Bericht ist, aufgrund des für mich kostenlosen Menüs im Rahmen eines Presse-Termins mit vier Teilnehmern, eine kleine Premiere, mit der ich mich anfänglich nicht gerade leicht getan habe, daher vorab ein paar für mich wichtige Zeilen:
Wenn man seit vielen Jahren leidenschaftlich über Restaurants schreibt, dabei viel Liebe für kulinarische Details zeigt, selbst dann nach bestem Bemühen stets fair und konstruktiv bleibt, wenn es mal Grund zur Klage gab und nicht zuletzt auch eine gewisse Reichweite im Kreise geneigter Genussmenschen hat, weckt das natürlich mitunter ein gewisses Interesse seitens der Gastronomie.
So sind Einladungen zu Soft-Openings oder auch ganz unverblümte Anfragen der Natur „Kommen Sie doch mal vorbei, wir laden Sie ein, vielleicht haben Sie ja Lust über uns zu schreiben?“ zwar nicht an der Tagesordnung, kommen aber durchaus vor.
Bislang habe ich diese Einladungen konsequent abgelehnt, weil sie für mich meinen Ansatz der anonymen Besuche mit stets selbst gezahlten Rechnungen, nebst folgender Rezension auf einem Bewertungsportal mit unweigerlicher „Sterne-Wertung“, doch deutlich konterkarieren und ich mich in meinen Augen selbst unglaubwürdig machen würde.
Denn selbst ein transparenter Umgang mit dem Thema in einem letztlich doch immer wertenden Bericht hätte das Problem m.E. nicht gelöst, man kann schlicht nicht über ein Essen jubeln, mit Sternen um sich werfen und ganz nebenbei erwähnen, dass es sich um eine Einladung eines – aus Sicht der Gastronomie – potentiellen Multiplikator handelte: es ist in meinen Augen in diesem Kontext hochgradig unseriös.
Das kann man in einem eigenen Blog machen, dann idealerweise ganz ohne Sternewertungen, nicht jedoch auf „offiziellen“ Bewertungs-Plattformen wie TripAdvisor oder GastroGuide (letztere übrigens seit 2015 meine angestammte Online-Heimat, vormals war ich seit 2007 sehr engagiert auf restaurant-kritik.de bis zu dessen unsäglichem Ausverkauf an das „Trash-Portal“ Yelp).
Als mich jedoch nach meinem Februar-Bericht über das Hildener Restaurant intensiu (klick hier) ein in der Gastro-Szene der Region gut beleumundeter, sehr aktiver Fotojournalist kontaktierte, mir sagte, dass die intensiu Kritik ihm und seinem professionellem Umfeld in vieler Hinsicht gut gefallen habe und fragte ob ich nicht Lust hätte, Teil seines Redaktions-Netzwerkes zu sein und gelegentlich über interessante, ansprechende Lokationen zu berichten, in denen er durchweg seriös besetzte „Presse-Essen“ organisiert, wurde ich hellhörig.
Lust sicher, denn da meine Lebensgefährtin meine Passion für die Spitzengastronomie leider nicht teilt, sind Gelegenheiten für diesbezügliche Ausflüge in die Region leider deutlich zu rar gesät; jedoch hieß es zunächst das obig beschriebene Dilemma „Einladung vs. Anonyme Gastrokritik“ zu lösen.
Da ich mich mit Christian Fenske schon vor geraumer Zeit über meine eigene Rubrik in seinem mit viel Hingabe gepflegten, hiesigen Blog unterhielt, reifte die Idee, über diese Essen an dieser Stelle zu berichten: transparent, bar jeglicher Sternewertung und unter meinem Echtnamen, der ohnehin vielen bekannt ist, da ich mich nicht zwanghaft hinter meinem Pseudonym Shaney Mac verstecke und es mittlerweile als quasi offen ansehe.
Und so hoffe ich, dass ich diesem renommierten, mit unzähligen Berichten zur pan-europäischen, hochklassigen Sternegastronomie und sonstiger Perlen bestückten Kulinarik-Altar, den dieser Blog für mich darstellt, auch gerecht werde.
Ich gebe mir jedenfalls beste Mühe lieber Christian, es ist mir eine Ehre und ich danke Dir an dieser Stelle nochmals herzlich für die digitale Gastfreundlichkeit!
Auf eines kann man sich als Leser dennoch bei mir verlassen: auch wenn ich nicht mit Punkten oder Sternen werte, geschönt wird auch in diesen Berichten nichts, mir würde es nie einfallen, ein missratenes Essen hochzujubeln. Objektivität ist mir immens wichtig. In solch einem Falle würde ich es vorziehen, mit den Gastronomen persönlich zu sprechen und ggf. nichts zu schreiben: ein „Auftrags-Schreiberling“ im Sinne zwangsläufig positiver Berichterstattung wird aus mir nie werden!
Und nun, without further ado, schauen wir uns gemeinsam an, was vor einigen Wochen in Werden gezaubert wurde, viel Freude damit….
| Bericht |
Sei es die Straße „Im Löwental“ am Essen-Werdener Bahnhof selbst, der Stadtteil Werden oder gar Essen in Gänze: gastronomisch ist die Stadt für mich weitestgehend „Terra incognita“, sieht man von einem sehr beglückenden Besuch im mittlerweile besternten „Hannappel“ in Essen Horst ab, der allerdings bereits fast zehn Jahre zurückdatiert.
Zu diesem Haus hat das Anfang Oktober 2018 eröffnete „Chefs & Butchers“ übrigens auch eine Verbindung. Der geschäftsführende Koch und Gastronom Michael Scheil war u.a. langjähriger Sous Chef unter Knut Hannappel, auch, wenn der sympathische Essener sich gar nicht gerne mit seinen Stationen brüstet wie er mir sagte: zu groß sei die Gefahr, in gewisse (stilistische!) Schubladen gesteckt zu werden und geschmackliche Erwartungen zu wecken, die man aufgrund eines mittlerweile veränderten Ansatzes so gar nicht mehr erfüllen möchte.
Zusammen mit einer befreundeten örtlichen Metzger-Dynastie – daher erklärt sich der Name des „Joint Ventures“ – reifte zunächst der Gedanke eine reine Event-Location betreiben zu wollen mit gastronomisch gehobenen Veranstaltungen, jedoch wurde schnell klar, dass man auch ein reguläres abendliches À la carte anbieten möchte.
Mit viel Aufwand wurde hernach über zwei Jahre hinweg die obere Etage eines ehemaligen Fliesenbetriebs kernsaniert, das „Chefs…


Lieber Peter
Danke für das genussreiche Mitnehmen in dieses Haus.
Unglaublich wichtig und damit auch fair: Dein Vorwort.
Ich verstehe absolut, warum Du hier auch als zahlender Gast mal wieder aufschlagen willst und ich bin mir fast sicher, daß diese heuer noch geschehen dürfte 😉
Was ich aber absolut nicht verstehe ist, wie Dir dieser fauxpas unterlaufen konnte nicht die Öffentlichen oder gar ein Taxi (oder sonstige Fahrgelegenheit) zu behelligen. Das passiert Dir doch sonst nicht. Und nach diesem Abend sicher auch nicht wieder so schnell 😉
Dem Haus wünsche ich alles Gute und weiterhin eine erfolgreiche Gaumenverführerei.
Es fragt sich, ob bei Nutzung eines Taxis ein so detailreicher Bericht entstanden wäre…
Lieber Andi, das freut mich besonders, da Du das Thema auch als heikel ansiehst im sonstigen Revier. Ich finde es so auch sauber gelöst.
Ja großer Fauxpas, die Weine waren klasse, schade, dass ich nichts von dem Shuttle Service wusste, vielleicht hätte man gegen einen Obulus was machen können. ?
Von Kenntnis getragen und mit Herzblut durchtränkt, wie jeder deiner Berichte. So freut sich auch der Leser auf deine nächste Einladung.
Danke Felix und liebe Grüße nach Italien!
Wow, welch kühner Esskapismus, der hier fast schon tolstoi-eske Züge annimmt. Verfasst von einem, der kapiert, worum es beim Essen/Genießen geht….ein echter Esskapist eben 😉 Das Lesen war auch mir ein großer Genuss. Würdest du für meinen Blog schreiben, hätte dich mein Chauffeur natürlich mit dem Bentley abgeholt, aber in Essen tut es auch mal ein AMG-Mercedes als Shuttle. Nein im Ernst, da hast du bravourös geliefert mein Guter und die Bilder sind eine Augenweide.
Lob vom Zeilenzauberer himself zählt wie immer doppelt! ☺️ Werde bei Christian das Thema „Anfahrt“ platzieren, gute Anregung! ?
Liebe Grüße in die Pfalz mein lieber Felsnadelbezwinger!
An Detailreichtum und grandiosen Bildern nicht zu überbietender Bericht – ach was, fast ein Essay – der von bester Gastfreundschaft in allen Bereichen träumen lässt.
Danke Gero, ganz liebe Grüße nach Bremen.