Bad Kissingen ist geprägt von seiner Geschichte als Kurort, von wunderschöner klassizistischer Bäder-Architektur und nicht zuletzt dem weitläufigen historischen Kurpark, der das Stadtbild bestimmt.
In dessen direkter Nähe liegt das traditionsreiche Laudensacks Parkhotel, untergebracht in einer Gründerzeitvilla mit gewachsenem Garten.

Über viele Jahre war das Haus im Besitz der Familie Laudensack, die den Betrieb geführt und das Gourmetrestaurant aufgebaut hat. In dieser Zeit wurde auch die Basis für die kontinuierliche Auszeichnung durch den Guide Michelin gelegt, die bis heute besteht.
Das Restaurant wird seit den frühen 1990er-Jahren ohne Unterbrechung mit einem Michelin-Stern geführt und gehört damit zu den Konstanten der deutschen Spitzengastronomie.
Nach der Corona-Zeit ging das Gebäude in den Besitz des Unternehmers Anton Schick über, der Renovierungsmaßnahmen veranlasste und den Betrieb neu strukturierte. Inzwischen wird das Haus im Verbund mit dem gehobenen Kissinger Hotel Kaiserhof Victoria geführt, während das Parkhotel natürlich als eigenständiger Standort weiterbetrieben wird.
Die Küche und ihren Stern verantwortet und verteidigt seit 2009 erfolgreich Frederik Desch, den ich als äußerst zugänglichen, ruhigen und sympathischen Menschen erlebte.

Seine Ausbildung erfolgte klassisch in der Hotellerie, unter anderem in Häusern wie dem Colombi Hotel in Freiburg sowie in Stationen im Umfeld von Dieter Müller. Ergänzt wurde diese Laufbahn durch internationale Erfahrungen, unter anderem in Südafrika. Diese Stationen prägen eine handwerklich fundierte, französisch geprägte Basis, die Desch in Bad Kissingen weiterentwickelt hat.

Im Gespräch beschreibt er seine Küche als produktorientiert und klar geführt, mit dem Anspruch, Aromen zu unterstützen, ohne sie zu überdecken . Klassische Grundlagen wie Fonds und Saucen spielen weiterhin eine zentrale Rolle, werden jedoch im Detail angepasst und variiert. Bei der Auswahl der Produkte verbindet die Küche regionale Komponenten mit international verfügbaren Zutaten, ohne sich auf einen festen geografischen Rahmen zu beschränken.

Für den Service und die Weinbegleitung zeichnet Restaurantleiter und Sommelier Sebastian Gottherr verantwortlich. Er verfügt ebenfalls über erstklassige internationale Erfahrungen, unter anderem aus Stationen im Restaurant Ikarus im Hangar-7 sowie im legendären The Fat Duck. Im Haus übernimmt er neben der Weinbegleitung auch organisatorische Aufgaben im Serviceablauf und in der Betreuung des Weinkellers.
Er ist der freundliche junge Mann links auf diesem schönen Teamfoto, das ich an diesem Abend machte:

Wir hatten uns verabredet, das monatliche wechselnde Degustationsmenü des Februars 2026 wartete in voller Pracht mit sieben Gängen auf mich. Ich freute mich auf den Abend, schließlich war ich in der Kur und da waren kulinarische Ausflüge für mich wie kleine, genussvolle Inseln voller schöner Begegnungen.
Nach einer herzlichen Begrüßung im stilvollen Ambiente des Laudensacks nahm ich in der Nähe des Wintergartens Platz – man hatte für mich außerhalb des eigentlichen Gastraumes eingedeckt mit viel Raum und Ruhe für gute Fotos und Gespräche, ohne andere Gäste zu stören.

Die Räume der Villa wirken hell, klar und angenehm zurückhaltend gestaltet – keine Überinszenierung, sondern eine ruhige, elegante Bühne für das, was auf den Tellern passiert.

Helle Wände, viel Luft zwischen den Tischen, dazu das warme Licht, das sich abends weich im Raum verteilt. Man sitzt komfortabel, mit genügend Abstand, sodass Gespräche ihre eigene Intimität behalten.

Besonders schön ist der Übergang in den Loungebereich: große Fensterflächen, Blick ins Grüne, eine fast wohnzimmerartige Atmosphäre mit bequemen Sesseln und gedämpftem Licht. Alles wirkt gepflegt, durchdacht und unaufgeregt stilvoll.

Ein Blick auf das Menü des Abends zeigt eine klar gegliederte Abfolge.

Die Dramaturgie folgt einer klassischen Linie: auf den Auftakt folgen Fisch und Krustentier, anschließend ein weiterer Fischgang, danach Fleisch und Geflügel, bevor Käse und Dessert den Abschluss bilden. Jeder Gang ist um ein zentrales Produkt aufgebaut, das durch begleitende Komponenten ergänzt wird.
Die Gerichte entstehen dabei aus dem Zusammenspiel mehrerer Ebenen: neben den sichtbaren Bestandteilen prägen insbesondere Saucen, Essenzen, Öle, Beizen und Einlagen die Struktur. Diese Elemente verbinden die einzelnen Komponenten miteinander und bestimmen maßgeblich den Charakter der jeweiligen Gänge.
In der Produktauswahl werden regionale und internationale Zutaten nebeneinander eingesetzt. Klassische Grundlagen treffen auf unterschiedliche Aromenelemente, die offen und situationsbezogen integriert werden. Die Menüfolge wirkt dadurch in ihrer Anlage weltoffen, ohne sich auf eine feste stilistische Richtung festzulegen.
So ergibt sich eine Abfolge, die aus der Verbindung von Produkt, Zubereitung und begleitenden Komponenten entwickelt ist und bereits in der Lektüre viel Lust darauf machte, Gang für Gang von mir erschlossen zu werden.
Brot und Pre-Amuse
Noch vor dem eigentlichen Auftakt wird Brot gereicht: eine La Miche vom fränkischen Freibäcker Erbel, kräftig ausgebacken, mit ausgeprägter Kruste und elastischer, noch leicht warmer Krume.

Dazu aufgeschlagene Meersalzbutter sowie zwei weitere Variante als Kräuterbutter mit Limette und Piment d’Espelette aromatisiert. Ergänzt wird das durch gepickelte Radieschen, die mit feiner Säure und dezenter Schärfe einen klaren Gegenpol setzen.

In der Kombination fein umgesetzt und sehr wohlschmeckend, bildet dieser erste Eindruck eine stimmige Grundlage für den weiteren Verlauf des Menüs.
Noch vor dem eigentlichen Amuse werden drei kleine Einstimmungen gereicht, die unterschiedliche Zugänge zur Küche eröffnen.

Ein Baiser bildet die Basis für einen vielschichtigen Bissen aus Entenleber, Kirsche, Brotchip und Trüffel, ergänzt durch eine feine Würze von Szechuanpfeffer.

Daneben eine knusprige Croustade, gefüllt mit Saibling und begleitet von Fenchel, Yuzu und Dill, die eine frische, leicht zitrische Komponente einbringt.

Besonders in Erinnerung bleibt jedoch ein kleiner Shot aus Shiitake-Pilz-Essenz mit Schnittlauchöl. Die Essenz zeigt eine ausgeprägte, vielschichtige Umami-Tiefe, die sich ruhig und klar entfaltet.

Die Aromatik wirkt konzentriert, präzise, und von bemerkenswerter Klarheit.
Amuse
Als eigentlicher Auftakt folgt ein Teller um Label Rouge Lachs, Kaviar und Ponzusauce.

Der Lachs ist mild gebeizt und zeigt eine saubere, leicht feste Struktur mit klarer Eigenaromatik. Der Kaviar bringt punktuelle Salzigkeit und zusätzliche Tiefe ein, bleibt dabei jedoch eingebunden und übernimmt keine dominante Rolle.
Die Ponzusauce bildet das verbindende Element des Gerichts. Sie bringt eine präzise gesetzte Säure und zugleich eine feine Umami-Note ein, die den Lachs trägt und die einzelnen Komponenten miteinander verknüpft. Das Lauchöl setzt dazu eine dezente, grüne Aromatik.

Kleine, gezielt gesetzte Einlagen – darunter Daikon – bringen zusätzliche Frische und eine leichte Schärfe ins Spiel, ohne die Struktur des Gerichts zu verändern.
In der Gesamtheit wirkt das Amuse ruhig aufgebaut und sauber austariert. Die einzelnen Komponenten greifen ineinander, ohne sich gegenseitig zu überlagern, und führen die Linie des Auftakts konsequent weiter.
Ikejime Seeforelle | Krabben | Dill | Meerrettich | Steckrübe
Der Fisch ist gebeizt und im Anschluss geflämmt. Er zeigt eine klare, leicht feste Textur mit präzise herausgearbeiteter Eigenaromatik.

Die Bezeichnung Ikejime verweist dabei auf eine japanische Methode der Fischbehandlung, bei der durch ein gezieltes Ausschalten des Nervensystems die Fleischstruktur besonders stabil bleibt und die Frische länger erhalten wird.
Die Flämmpaste auf Basis von Sojasauce und Mirin legt sich wie ein feiner Film über die Oberfläche und bringt eine zurückhaltende Würze sowie zusätzliche Tiefe ein, ohne den Charakter der Forelle zu überdecken.
Zentral für die Aromatik ist die Dillvinaigrette, die auf Kopfsalat- und Petersiliensaft sowie Tomatenwasser aufbaut. Sie bringt Frische und eine feine Säure ins Spiel und wirkt als verbindendes Element innerhalb des Gerichts. Ergänzt wird dies durch Dillöl, das eine klare, grüne Note setzt.
Die Krabben erweitern das Aromenspektrum um eine zusätzliche, leicht süßliche und maritime Komponente. Dem gegenüber stehen fein gehobelter Meerrettich sowie fein gearbeitete Einlagen von Steckrübe und Radieschen, die mit Schärfe und Säure gezielte Kontraste setzen.
Eine weitere Ebene entsteht durch Pumpernickelschmelze sowie eine hinreißende Dashi Beurre Blanc, die dem Gericht Substanz und Tiefe verleihen.
In der Gesamtheit bleibt das Gericht klar aufgebaut: die Forelle als Träger, die Vinaigrette als verbindendes Element, dazu präzise gesetzte Akzente, die Frische, Schärfe und Textur einbringen.
Zur Ikejime-Seeforelle wurde ein Silvaner „Wacholder“ 2022 vom Weingut Winkler gereicht.
Der Wein zeigt sich klar und strukturiert, mit einer eher zurückhaltenden Frucht und einer feinen, leicht kräuterigen Würze. Am Gaumen wirkt er präzise geführt, mit gut eingebundener Säure und einer ruhigen Mineralität.
Gerade diese Art von Stilistik erweist sich als passend für das Gericht. Die Frische der Dillvinaigrette und die leichte Schärfe des Meerrettichs werden aufgenommen, ohne verstärkt zu werden. Gleichzeitig bietet der Wein genug Substanz, um mit der Tiefe der Beurre Blanc und den erdigen Komponenten zu arbeiten.
Die Präsentation durch Sommelier Sebastian Gottherr fügt sich nahtlos in dieses Bild ein. Mit großer Fachkenntnis und sicherem Gespür für die passenden Worte stellt er die Weine vor, ohne dabei je ins Dozierende zu kippen.
Das hat ein Niveau, das man ohne Übertreibung als Spitzenklasse bezeichnen kann – getragen von einer sympathischen, natürlichen Art, die den Zugang leicht macht und den Genuss begleitet, statt ihn anstrengend zu überlagern.
Norwegischer Kaisergranat | Muschel Beurre Blanc | Estragon | Vadouvan
Der norwegische Kaisergranat wird zunächst schonend gedämpft, bevor er anschließend final gegrillt und lackiert wird. Diese Abfolge sorgt für eine präzise Textur: saftig, mit leichtem Biss und einer klar herausgearbeiteten Süße des Produkts.

Im Zentrum steht die Muschel Beurre Blanc, die dem Gericht eine klassische, buttrig-emulgierte Grundlage gibt und gleichzeitig eine feine maritime Tiefe einbringt. Sie fungiert als verbindendes Element und trägt die Aromatik des Tellers.
Das Vadouvan tritt in Form eines Öls hinzu. Die Gewürzmischung, deren Ursprung in der französisch geprägten indischen Küche liegt, bringt eine warme, leicht erdige Würze mit subtilen Knoblauchnoten ein und bleibt dabei bewusst im Hintergrund.
Estragon setzt mit seiner charakteristischen, leicht anisartigen Frische gezielte Akzente und sorgt für eine aromatische Aufhellung.

Der Fenchel erscheint hier konzentriert als Marmelade. Durch das Einkochen entsteht eine verdichtete, leicht süßliche und zugleich fein säuerliche Komponente, die dem Gericht Struktur gibt und einen ruhigen Gegenpol zur buttrigen Sauce bildet.
Eine schwarze Knoblauchcreme fügt eine zusätzliche Tiefe hinzu, mit milder, fast balsamischer Würze, die sich unaufdringlich einfügt.
So entsteht ein klar aufgebautes Gericht: der Kaisergranat als präzise behandeltes Hauptprodukt, getragen von einer klassischen Sauce, ergänzt durch würzende und strukturgebende Elemente, die zwischen Frische, Wärme und feiner Süße vermitteln.
Zum Kaisergranat wurde eine ungewöhnliche, alkoholfreie Begleitung gereicht: ein erfrischender Zitrusdrink, ergänzt durch eine kleine Flasche mit einem fruchtig-säuerlichen Ansatz, der an einen feinen Fruchtessig erinnerte.

Der Drink wirkte klar, belebend und bewusst reduziert auf Frische und Säure. Die zitrischen Noten griffen die feinen Meeresaromen des Kaisergranats auf, ohne sie zu überlagern, und setzten einen sauberen, fast kühlenden Akzent.
Bretonische Felsenrotbarbe | Safran | Olive | Poverade
Die Felsenrotbarbe wird nach kurzer Beize in Salzlake auf der Haut scharf angebraten. So entsteht eine klare Zweiteilung in der Textur: oben die krosse, aromatisch geröstete Haut, darunter das saftige, noch leicht glasige Fleisch mit ausgeprägter Eigenaromatik.

Die Safran Fumé baut auf gerösteten Karkassen auf und wird mit Safran aromatisiert. Ergänzt um Sake, Noilly Prat, Tomaten- und Fischfond sowie Gewürze entsteht eine vielschichtige, zugleich klar geführte Grundlage, die Tiefe verleiht, ohne an Leichtigkeit zu verlieren.
Mit der Poverade von der Artischocke tritt ein klassisches, gemüsegetragenes Element hinzu. Die lange gezogene und reduzierte Zubereitung bündelt die Aromen von Fenchel, Sellerie, Lauch und Kräutern und bringt eine ruhige, herbe und vegetabile Struktur ein.

In der Gesamtheit entsteht eine Anmutung, die stellenweise an mediterrane Aromatik denken lässt – etwa durch Safran, Olive und die Poverade –, ohne sich darauf festzulegen.
Elemente wie Sake oder Salzzitrone erweitern dieses Spektrum bewusst und lösen es aus einer klaren regionalen Zuordnung.
Grüne Oliven, Kapernapfel und Salzzitrone setzen punktuelle Akzente und bringen salzige, säuerliche und leicht fermentative Noten ein. Kapernblätter und Kräuteröl ergänzen dies um frische, grüne Nuancen.
So entsteht ein vielschichtig aufgebautes Gericht, in dem die Rotbarbe als klarer Mittelpunkt fungiert, getragen von einer aromatisch tiefen Sauce und ergänzt durch präzise gesetzte Kontraste, die unterschiedliche kulinarische Räume andeuten, ohne sich festzulegen.
Begleitet wurde die Felsenrotbarbe von einem Weißer Karthäuser Pinot Blanc trocken vom Ilmbacher Hof (Jahrgang 2023).
Der Wein zeigt eine feine, eher zurückgenommene Frucht, dazu leicht nussige Noten und eine gut eingebundene Säure. Am Gaumen wirkt er rund und ruhig, mit genügend Substanz, ohne an Leichtigkeit zu verlieren.
In der Kombination mit der Rotbarbe und der safranbetonten Sauce funktioniert das sehr stimmig. Die Würze des Gerichts findet im Wein einen passenden Gegenpol, während dessen Frische die Aromatik offen hält und nicht überlagert. Gerade im Zusammenspiel mit den leicht bitteren und kräuterigen Elementen des Tellers ergibt sich ein ausgewogenes Gesamtbild.
Wagyu Short-Rib – „ungarische Art“ | Paprika | Kraut
Das Short Rib kommt klassisch geschmort, anschließend portioniert, angebraten und lackiert auf den Teller. Die Textur ist entsprechend dicht und saftig, mit einer leicht faserigen Struktur, die sich unter sanftem Druck löst. Der begleitende Schmorjus ist konzentriert, klar geführt und trägt das Gericht auf köstliche Art.

Das „ungarische“ Motiv zeigt sich vor allem über die Paprika: geschmort, leicht geflämmt, mit einer spürbaren Süße und dezenter Rauchigkeit. Dazu ein fein geschnittenes Paprika-Spitzkohl-Kraut, das Frische und Struktur einbringt und das Gericht auflockert.

Der Schmand ist hier nicht klassisch cremig, sondern als leicht gesetztes Gel ausgearbeitet, mit Limette und geräuchertem Paprikapulver abgeschmeckt. Das bringt eine angenehme Spannung aus Säure, Rauch und milder Würze ins Spiel, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Perlzwiebeln in Segmenten liefern eine weiche, leicht süßliche Komponente, während die frittierten Zwiebelringe für Knusprigkeit sorgen und dem Gericht einen klaren texturalen Kontrast geben.
Zum Wagyu Short Rib brachte Sebastian Gottherr einen Orangewein aus Kitzingen: der „Weinschwärmer“ von 2Naturkinder, eine Cuvée aus Grauburgunder und Riesling.

Ein bewusst ungeschwefelter, handwerklich geprägter Naturwein, der stilistisch klar auf Maischestandzeit setzt und damit diese leicht oxidative, strukturierte Aromatik mitbringt, die man von guten Orangeweinen kennt. Auffällig ist dabei vor allem die saubere Ausarbeitung – nichts wirkt unruhig oder experimentell um seiner selbst willen, sondern präzise und klar geführt.
In der Kombination mit dem Gang zeigt sich schnell, warum diese Wahl getroffen wurde. Die würzige, leicht rauchige Paprika, das Kraut und die Tiefe des geschmorten Fleisches treffen auf einen Wein, der nicht über Frucht arbeitet, sondern über Grip, Struktur und eine feine, herbe Würze. Das verstärkt die Aromatik des Gerichts spürbar, ohne sie zu verschieben.
Gerade die leicht oxidativen Noten und die griffige Textur greifen die kräftigeren, erdigen und paprikabetonten Elemente auf, während die Frische aus der Riesling-Komponente das Ganze offen hält. Das wirkt nicht konstruiert, sondern sehr schlüssig gedacht – eine Kombination, die äußerst wohlig im Gedächtnis bleibt.
Peking Ente Odefey & Töchter | Kampot Pfeffer | Chicorée | Boskoop Apfel
Die Ente wird hier bewusst zweigeteilt gedacht und auch so serviert. Grundlage ist dabei eine Zucht von Odefey & Töchter, die für eine langsame Aufzucht, viel Bewegung und handwerkliche Verarbeitung am Hof steht.

Die Brust kommt klassisch auf den Teller, honigglasiert, bei hoher Hitze gegart, saftig im Kern, mit einer fein lackierten, aromatisch dichten Oberfläche. Begleitet wird sie von einem tiefdunklen Entenjus, konzentriert und klar geführt, mit fermentiertem Pfeffer aromatisiert.

Separat dazu Ragout von der Keule, geschmort und deutlich kräftiger im Ausdruck. Hier kommt eine Mandarinen-Essig-Hollandaise ins Spiel. Sie umhüllt das Ragout, bringt Frische und eine zitrische Leichtigkeit, die die dunkle, intensive Fleischigkeit auflockert und in eine andere Richtung führt.


Die Begleiter bleiben auf dem Hauptteller verortet: Chicorée, sous-vide mit Orange, Ingwer und Honig gegart, mit seiner feinen, kontrollierten Bitterkeit. Dazu Boskoop-Apfel, präzise geschnitten, kühl und klar in der Säure, als Gegenpol zur Süße der Glasur. Das Apfel-Zwiebelconfit sorgt für zusätzliche Tiefe, während die Polenta – als Nocke und als knusprige Hippe – Textur und Erdung liefert.
Der Kampot-Pfeffer zieht sich als leise aromatische Linie durch beide Komponenten, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Die Aufteilung – Brust mit Jus, Ragout mit Hollandaise – gibt dem Gang eine innere Logik und macht ihn deutlich differenzierter, als es auf den ersten Blick erscheint.
Zur Ente stand ein 2019 „R“ – eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc vom Weingut Richard Östreicher (Sommerach, Katzenkopf) im Glas.
Kein vordergründig kraftmeiernder Begleiter, sondern sehr sauber gebaut, eher kühl interpretiert. In der Nase dunkle Beeren, etwas Cassis, dazu eine feine, leicht kräutrige Würze und dezente Reifetöne. Am Gaumen klar strukturiert, mit präsenter, gut eingebundener Säure und einem Tanninbild, das trägt, ohne trocken zu wirken.
Eine durchdachte, präzise Kombination, die den Gang strukturell stützt, ohne ihn zu dominieren.
Vacherin Mont-d’Or | Warmer Schaum | Speck | Trüffel
Ein Gang, der auf den ersten flüchtigen Blick vielleicht wie schwere Opulenz wirkt.

Der Vacherin Mont-d’Or wird hier als warmer Schaum gedacht, aufgeschlagen aus Sahne und geschmolzenem Käse. Aromatisch voll da, mit seiner Mischung aus milder Würze, Holzrinde und sanfter Fermentation, ohne ins „schwerkäsige“ zu kippen.
Darunter ein Kartoffel-Schalotten-Fondue auf Basis von Bamberger Hörnle, das die nötige Substanz liefert. Cremig, leicht gebunden, mit einer feinen, erdigen Tiefe, die den Käse auffängt und ihm Boden gibt.
Der Speck bringt gezielt Kontrast: fein geschnitten, ausgebraten, knusprig, mit klarer Salzigkeit und Röstnoten. Darüber gehobelter Trüffel, der sich eher einwebt, als dass er sich aufdrängt – er erweitert die Aromatik, statt sie zu dominieren.

Das Schalottenkompott setzt kleine süß-säuerliche Akzente, die immer wieder aufblitzen und die Dichte des Gerichts aufbrechen. Schnittlauch und Blütenpollen sorgen für Frische und einen leichten, fast floralen Gegenpunkt.
Begleitet wird das Ganze auf meinen abermaligen Wunsch alkoholfrei von einer unerwartet gelungenen Lavendel-Limonade, die erstaunlich gut funktioniert: floral, kühl, mit dezenter Süße und einer feinen Bitterkeit im Nachhall. Sie wirkt wie ein bewusst gesetzter Schnitt durch die Cremigkeit des Gangs und bringt die nötige Frische zurück ins Spiel.

In der Kombination entsteht kein schwerer Käsegang, sondern ein fein austariertes Spiel aus Schmelz, Würze und Struktur.
Grand Cru Schokolade 66 % | Banane | Passionsfrucht
Das Dessert trägt klar die Handschrift der bezaubernden wie hochgradig versierten Pâtissière Marina Dahms, von der man mit ziemlicher Sicherheit noch hören wird.


Im Zentrum steht die Schokolade: ein dichtes, aromatisch gottlob mal nicht zu bitteres Cremeux aus 66 % Grand-Cru-Kuvertüre, das mit seiner Tiefe sofort Präsenz zeigt, ohne zu schwer wirken. Darum ein saftiger, feinporiger Biskuit, der die Intensität abfedert und zugleich trägt.
Die Fruchtkomponenten setzen dazu einen lebendigen Gegenpol. Passionsfrucht und Mango treten in unterschiedlichen Texturen auf, mal als gelartige Verdichtung, mal als fließender Akzent. Die Säure ist dabei deutlich spürbar, aber eingebunden in eine reife, warme Fruchtigkeit, die der Schokolade Raum lässt und sie zugleich belebt.
Das Bananeneis bringt eine weiche, geradezu tröstliche Aromatik ins Spiel. Cremig, rund, mit einem Hauch aromatischer Tiefe, der die Brücke zwischen Kakao und Frucht schlägt. Gerade im Zusammenspiel mit der Passionsfrucht entsteht eine kurze, prägnante Spannung, die das Dessert interessant hält.
Obenauf sorgt die wunderschön anzusehende Hippe für den nötigen Bruch: filigran gearbeitet, leicht, mit sauberem Biss.
Kein klassischer Schokoladengang, sondern ein vielschichtiges Dessert, das über Kontraste funktioniert und sich beim Essen immer wieder neu sortiert – mit einer sehr eigenen, femininem, eleganten Handschrift.

Begleitet wurde das Dessert von einem hochfeinen Trinkessig, klar und leuchtend im Glas, mit präziser Säure und präsenter Frucht. Kein bloßer Gegenpol, sondern ein bewusst eingesetzter Akzent, der die Süße auffängt und den Abschluss angenehm lebendig hält.
Petit Fours
Auch die Petit Fours fügen sich nahtlos in das bisherige Bild.

Die Profiterole zeigt sich leicht und fein, mit sauberer Haselnussnote und luftiger Textur. Der Apfel-Cup bringt Frische und eine angenehme Säure, die durch die Chantilly aufgefangen wird, während der Crumble für die nötige Struktur sorgt. Die Trüffel-Praline mit Tonkacremefüllung setzt zum Abschluss einen konzentrierten, schokoladigen Akzent.



Drei kleine, fein gearbeitete Elemente, die viel Freude zum Abschluss machten.
Da musste natürlich ein nachträgliches – die Team-Fotos hatten wir schon gemacht – spontanes Erinnerungsfoto mit Marina Dahms und Sebastian Gottherr her, zutiefst sympathische Menschen – und im Gegensatz zu mir auch fotogen. 😊

Danach ging es für mich nach allerherzlichster Verabschiedung zurück in mein Kur-Domizil, wo ich alsbald glücklich in der Gewissheit einschlief, abermals einen kulinarisch und menschlich wunderbaren Abend in Unterfranken verbracht zu haben.
Fazit
Die Küche von Frederik Desch ist über alle Zweifel erhaben und zeigt über das gesamte Menü hinweg eine klare Linie: weltoffen gedacht, handwerklich präzise umgesetzt und mit einem sicheren Gespür für Kombinationen und geschmackliche Harmonie.
Klassische Fundamente sind jederzeit erkennbar, werden aber nicht ausgestellt, sondern weiterentwickelt und mit internationalen Einflüssen verbunden. Auffällig ist die Ruhe, mit der die Gerichte aufgebaut sind – nichts drängt sich plakativ in den Vordergrund, vieles erschließt sich im Zusammenspiel der Komponenten. Das wirkt durchdacht, aber nie konstruiert.
Der Service begleitet diesen Ansatz sehr überzeugend. Aufmerksam, präsent, mit feinem Gespür für Timing und Distanz. Maßgeblich geprägt wird der Abend von Restaurantleiter und Sommelier Sebastian Gottherr, der mit seiner Art nicht nur die Weinbegleitung trägt, sondern auch die Atmosphäre im Raum beeinflusst.
Der Umgang im Team wirkt respektvoll und freundlich, die Abläufe greifen ruhig ineinander – ein sehr angenehmes Gesamtbild.
Das Ambiente passt dazu: ruhig gelegen am Kurpark, klassisch gepflegt, ohne modische Übertreibungen. Ein Rahmen, der dem Abend genau den Raum gibt, den er braucht.
Am Ende bleibt eine glasklare Empfehlung für inspirierte, genussreiche Sterneküche, wie ich sie mag – und die man bei Gelegenheit definitiv selbst entdecken sollte.
Gerne würde ich mir auch die Hotellerie bei Gelegenheit näher anschauen und darüber berichten – vielleicht ergibt sie sich in Zukunft, schließlich mag ich Bad Kissingen sehr.

Laudensacks Parkhotel und Retreat
Kurhausstraße 28
97688 Bad Kissingen
https://www.laudensacks.de/



Hallo, wie hier einfühlsam nachzulesen, hatte ich offensichtlich mit meinem Tipp abermals nicht zuviel versprochen. Und es ist in der Tat eine bemerkenswerte Menü-Beschreibung, die einen selbst in der räumliche Distanz an vergangene Gaumenfreuden im historischen Bad Kissingen erinnert. Das macht Spaß — und Lust auf mehr.
Vielen Dank, schön, dass ich Erinnerungen wecken konnte.