Das „C’est la vie“ liegt am Demmeltrath in Solingen-Wald – kein einfacher, eher mutiger Standort für ein ambitioniertes Restaurantkonzept.
Ich selbst wurde zunächst schlicht neugierig. Das Wort „Brasserie“ auf dem Schild ließ mich spontan langsamer fahren. Ein kurzer Blick auf die Karte genügte dann völlig: so eine Küche hatte ich mir in Solingen seit vielen Jahren gewünscht – gefunden hatte ich sie bislang nie.

Keine Minute später stand ich bereits im Gastraum und traf auf Sepand Mardani und seine bezaubernde Schwester Parand. Schnell entstand ein sympathisches erstes Gespräch, aus dem wenig später die Verabredung zu einem ausführlichen kulinarischen Termin wurde.

Sepand ist 33 Jahre alt, gelernter Koch und hat viele Jahre in Heidelberg gelebt. Dort begann er zunächst als Küchenhilfe im renommierten „Weißen Bock“, absolvierte später seine Ausbildung und arbeitete anschließend in der Sterneküche der „Hirschgasse“. Für ihn war diese Zeit, wie er selbst sagt, beinahe eine zweite Ausbildung: Organisation, Handwerk, Postenarbeit, Saucen, Patisserie, Garde Manger – also jene klassische Schule, die man auf einer Karte nicht behaupten kann, sondern am Ende schmecken muss.
Nach weiteren Stationen, unter anderem erneut im „Weißen Bock“, führte ihn der Weg nach Solingen. Nicht durch einen Businessplan vom Reißbrett, sondern über Familie, Zufall und den Wunsch nach Selbstständigkeit. Seine Schwester Parand lebt hier; ursprünglich war ein anderes Projekt angedacht, dann fiel der Blick auf dieses Haus am Demmeltrath.

Ein Haus, das schon seit sehr langer Zeit Gastronomie beherbergt. Sepand gefällt genau dieser Gedanke: nicht einfach irgendwo ein Restaurant zu eröffnen, sondern auf seine persönliche Art Teil einer langen Gaststättengeschichte zu werden.
Seine Küche beschreibt er nicht großspurig. Er spricht von saisonaler, kreativer, aber im Kern einfacher Küche. Einfach allerdings nicht im Sinne von banal, sondern im Sinne von verständlich, produktbezogen und sauber gekocht. Ihm geht es nicht um Kaviar, Gänseleber oder teure Gesten auf dem Teller. Für ihn kann auch eine richtig gute Currywurst große Küche sein, wenn Produkt, Handwerk und Geschmack stimmen.
Dieser Gedanke gefällt mir sehr. Denn genau daran fehlt es in Solingen oft nicht im Gefühl, sondern im handwerklichen Anspruch. Viele Küchen wollen gemütlich sein, viele wollen international sein, viele wollen irgendwie alles zugleich sein. Aber eine Küche, die klassische Technik, gute Produkte, frisch gezogene Fonds, Rillettes, Beurre blanc, Zwiebelsuppe, Ochsenbacke, Kalbsschnitzel in Butterschmalz und zugleich eine gewisse Alltagstauglichkeit zusammenbringt – die findet man hier nicht an jeder Ecke.

Die erste Karte ist dabei bewusst zugänglich gehalten. Das sagte Sepand im Gespräch sehr offen. Er will die Gäste zunächst abholen, Vertrauen aufbauen, Stammgäste gewinnen. Die französischen und brasseriehaften Einflüsse sollen mit kommenden Karten noch stärker werden. Schon jetzt aber liest man zwischen Gambas in Kakaobutter, Entenrillette, französischer Zwiebelsuppe, Zander mit Beurre blanc, geschmorter Ochsenbacke und Schokoladenvariation eine Handschrift, die deutlich über das Übliche hinausweist.

Spannend ist auch, dass Sepand seine persischen Wurzeln nicht plakativ vor sich herträgt, sondern eher leise in seine Küche einfließen lassen möchte. Ein wenig Kardamom in der Jus, hier und da eine Gewürzspur, die man nicht sofort benennen kann, die aber Tiefe gibt. Keine Folklore, keine erzwungene Fusion, sondern persönliche Erinnerung als feine Schicht unter klassischer Technik.

Vier Stunden dauerte mein ausführlicher Besuch. Sieben Gänge standen am Ende auf dem Tisch, flankiert von Gesprächen, Eindrücken aus der Küche und jenem schönen Moment, in dem ein Wiener Schnitzel im heißen Butterschmalz langsam zu soufflieren beginnt. Das Ergebnis dieses langen Nachmittags und frühen Abends schauen wir uns nun Gang für Gang etwas genauer an – mit allen Aspekten zu Ambiente, Service und Kulinarik bis ins feine Detail – ich wünsche genussvolles Lesevergnügen, auch und ganz besonders mit den schönen Videos:
Zwischen Aufbruch, Wärme und Brasserie-Idee
Auch atmosphärisch deutet bereits vieles darauf hin, wohin die Reise künftig gehen soll. Das „C’est la vie“ wirkt momentan weniger wie ein vollständig durchinszeniertes Designerprojekt, sondern eher wie eine Brasserie im Werden.

Von außen besitzt das Haus am Demmeltrath noch viel von seiner gewachsenen Kneipenstruktur. Warmes Licht fällt durch die Fenster, das klassische Schild spannt den Bogen zwischen Restaurant, Brasserie und Bar, während drinnen bereits weiße Tischdecken, gemütliche Sitznischen, Holztöne und kleine rote Akzente für eine angenehm gastliche Stimmung …

